Frühere DDR-Bürgerrechtler haben vor einer Abwicklung der Stasi-Unterlagen-Behörde gewarnt. Er fürchte, dass «hier ein Deckel auf die Geschichte gemacht wird», sagte Werner Schulz, der nach dem Mauerfall für die Grünen zunächst im Bundestag und später im Europaparlament saß. Er finde den Schritt verfrüht, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag).
Der Bundestag wollte am Donnerstagnachmittag über die Überführung von Millionen geretteter Akten in das Bundesarchiv bis zum Sommer 2021 entscheiden. Die Papiere sowie Filme und Tonaufzeichnungen sind das Kernstück der Stasi-Unterlagen-Behörde, die als Errungenschaft der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 gilt. Mit der Übergabe der Akten wird es die Bundesbehörde unter der jetzigen Leitung des früheren DDR-Oppositionellen Roland Jahn nicht mehr geben. In jedem der ostdeutschen Bundesländer soll es dann nur noch einen Archivstandort geben.
Der sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, sagte dem RND, er halte die Pläne für schlecht vorbereitet. Die Außenstellen der Behörde würden gerade in Mitteldeutschland weiter gebraucht, so der frühere DDR-Kritiker.