Wissenschaftler wollen der fortgesetzten negativen Bewertung von Menschen nachgehen, die in der DDR etwa als Häftlinge oder Heimkinder Unrecht erfahren haben. «Wir gehen davon aus, dass diese Stigmatisierung weitergewirkt hat. Wenn jemand zum Beispiel kriminalisiert wurde oder in Haft gekommen ist, dann hängt ihm diese Haftstrafe an. Dann ist er ein Häftling oder ein ehemaliger Häftling. Das ist ein Stigma», sagte der Leipziger Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Georg Schomerus, am Mittwoch in Magdeburg. «Die Betroffenen leiden bis heute darunter, dass sie aufgrund dieser Unrechtserfahrungen immer noch anders behandelt werden als andere Menschen.»
Betroffene würden im Rahmen der Forschungen gefragt, inwieweit sie sich ausgegrenzt fühlten. Zudem werde auf die Haltung der Behandelnden in den Hilfesystemen sowie auf Einstellungen in der Bevölkerung geschaut. Im Mittelpunkt stehe die Frage: «Was steht im Weg, damit die Leute die Hilfe bekommen, die sie brauchen», sagte Schomerus. «Es ist wirklich Neuland. Das Konzept der Stigmatisierung liegt eigentlich auf der Hand, aber es ist noch nicht systematisch auf diese Gruppe angewandt worden.»