Nach über acht Jahrzehnten sind Teile einer verloren geglaubten Tora-Rolle aus der Görlitzer Synagoge wieder aufgetaucht. Ein evangelischer Pfarrer, mittlerweile im Ruhestand, hat sie mehr als ein halbes Jahrhundert sicher auf- und das Geheimnis darum bewahrt und nun an die Stadt übergeben, wie er berichtete. «Jetzt sind sie in guten Händen, es wird niemand achtlos damit umgehen», sagte Uwe Mader der dpa. Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) versprach, dass die Tora-Fragmente nach der Inventarisierung und Aufarbeitung auch ausgestellt werden.
Die vier vermutlich 300 Jahre alten Fragmente auf Pergamentpapier seien in der Pogromnacht am 9. November 1938 in letzter Minute aus der brennenden Synagoge gerettet worden, so Mader. «Sie wurden in Eile, aber sachkundig aus der Tora geschnitten, der heiligen Schrift der jüdischen Kultusgemeinde.» Wer das gemacht habe, müsse des Hebräischen mächtig gewesen sein. «Es sind nicht nur Beschreibungen der jüdischen Geschichte, sondern aussagekräftige Dokumente, darunter die Josefgeschichte aus dem 1. Buch Mose.» Sie seien seinem Vater, einem damals jungen Polizeianwärter, in die Hände gedrückt worden.