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Schwerer Kindesmissbrauch: Hohe Haftstrafe für Pirnaer

Handschellen sind an einem Gürtel eines Justizvollzugsbeamten befestigt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild
Handschellen sind an einem Gürtel eines Justizvollzugsbeamten befestigt. Foto: Frank Molter/dpa/Symbolbild

Das Landgericht Dresden hat am Donnerstag einen 56-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der frühere Hausmeister einer Schule aus Pirna (Sächsische Schweiz) zwischen August 2015 und September 2019 mehrfach an einem inzwischen 17 Jahre alten Schüler vergangen, ihm Pornos gezeigt, ihn zu sexuellen Handlungen motiviert und dabei heimlich gefilmt hat. Zudem missbrauchte er mehrmals einen heute Zwölfjährigen aus Münster (Nordrhein-Westfalen). Diesem Jungen soll der Beschuldigte 10 000 Euro Schmerzensgeld zahlen und für alle noch eintretenden Folgeschäden aufkommen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

«Die Taten übersteigen das Vorstellungsvermögen vieler Menschen», sagte der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel, auch mit Blick auf den Missbrauchsfall Münster. Nach Überzeugung der Kammer gehört der Pirnaer zu den bundesweit rund 50 Beschuldigten in dem Komplex. Es gebe eine massive Beweislast, darunter mehrere Chats mit dem Haupttäter und Stiefvater des Jungen, sagte Ziegel. Der Angeklagte sei Anfang 2019 mit dem Drahtzieher des Pädophilennetzwerks in Kontakt gekommen, der ihm nur wenige Wochen später seinen Ziehsohn «zur Verfügung» stellte, wie Ziegel sagte. Es stehe fest, dass der Mann dreimal mit dem Kind in Sachsen war. Der heute zwölf Jahre alte Junge sei von dem Angeklagten, dem Stiefvater und zwei weiteren Männern in Klipphausen (Landkreis Meißen) und Pirna missbraucht worden - in zuvor angemieteten Ferienwohnungen und unter Verwendung bewusstseinstrübender Medikamente.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten gefordert, die Verteidigung keinen konkreten Strafantrag gestellt. Der Angeklagte hatte auch im Prozess bis zuletzt zu den Vorwürfen geschwiegen.

Münster ist einer von drei großen Missbrauchsfällen in Nordrhein-Westfalen, der im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht kam. Bundesweit wird gegen rund 50 Verdächtige ermittelt, über 30 davon sind in Haft und einige verurteilt - unter anderem der Haupttäter zu 14 Jahren Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH