Die Spionageabwehr des Verfassungsschutzes hat bis zum Untergang der DDR fast 2000 Quellen und Agenten Ostdeutschlands als Doppelagenten angeworben. Das geht aus einer Analyse bislang unveröffentlichten Akten des Inlandsgeheimdienstes der Bundesrepublik durch den Historiker Michael Wala von der Ruhr-Universität Bochum hervor. Wie der Wissenschaftler weiter ausführt, gab es zudem mehr als 150 ehemalige Mitarbeiter des DDR-Auslandsgeheimdienstes (Hauptverwaltung Aufklärung, HVA), «die ihr Wissen für hohe Geldbeträge teilweise schon vor 1989 an die Spionageabwehr verkauften und so dafür sorgten, dass von der stolzen HVA nur ein Scherbenhaufen übrig blieb».
In seinem Buch «Der Stasi-Mythos. DDR-Auslandsspionage und der Verfassungsschutz» hält Wala fest, dass die Schleusung neuer Agenten nach Westdeutschland durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nach 1976 «dank der Erfolge der Spionageabwehr drastisch reduziert» wurde. Nach zuvor bis zu 100 Agenten seien es nach Angaben eines MfS-Überläufers nun allenfalls noch 20 gewesen, die jedes Jahr in die Bundesrepublik gelangten.