Der frühere Ministerpräsident von Thüringen und von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel, hat zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ein «Ende des Schubladendenkens» gefordert. «Wir sollten endlich aufhören, uns selbst in Ossis und Wessis einzuteilen», sagte der CDU-Politiker in seinem Wohnort Speyer am Rhein. Der Westen sei ebenso wenig gleich wie der Osten. «Die Bayern sind keine Berliner, und die Thüringer sind keine Mecklenburger.»
Es sei auch falsch, von «neuen Ländern» in Ostdeutschland zu sprechen, sagte Vogel. «Thüringen ist älter als zum Beispiel Rheinland-Pfalz, das ein Kind der Nachkriegszeit ist. Dagegen haben die ostdeutschen Länder zum Teil eine jahrhundertealte Tradition.»
Vogel ist der einzige Politiker, der sowohl im Westen als auch im Osten als Ministerpräsident regierte: zunächst in Rheinland-Pfalz (1976 bis 1988), dann in Thüringen (1992 bis 2003). Zu Beginn sei es in Erfurt extrem schwierig gewesen, sagte der 87-Jährige der Deutschen Presse-Agentur - auch, weil es große technische Probleme gab. «Das Telefonieren war oft schwieriger als das Regieren.»