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Kapferer sieht abnehmenden Widerstand gegen Windenergie

Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen sind vor dem Abendhimmel bei Leuna zu sehen. / Foto: Jan Woitas/dpa/Symbolbild
Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen sind vor dem Abendhimmel bei Leuna zu sehen. / Foto: Jan Woitas/dpa/Symbolbild

Wenn ein Windrad gebaut werden soll, stößt das bei Anwohnern selten auf Begeisterung. Dabei entlastet mehr Angebot den Strompreis. Aus Sicht des Netzbetreibers 50Hertz verstehen das immer mehr Menschen.

Der Chef des ostdeutschen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Stefan Kapferer, blickt laut eigener Aussage mit Zuversicht auf Konflikte über den Ausbau der Windenergie an Land. «Ich habe den Eindruck, dass der Widerstand eher geringer wird als größer», sagte Kapferer der Deutschen Presse-Agentur. «Aber es bleibt natürlich trotzdem eine große Herausforderung, für diese Akzeptanz zu sorgen.»

Bei vielen Menschen sei inzwischen insbesondere das Preisargument angekommen. Je mehr Grünstrom ins Netz eingespeist werde, umso niedriger sei der Strompreis an der Börse. «Mehr Grünstrom ist für die Bezahlbarkeit der Energiekosten eine gute Nachricht», sagte Kapferer, der Mitglied der FDP ist.

Im 50Hertz-Übertragungsnetzgebiet in den ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil an erneuerbaren Energien traditionell hoch und liegt in der Regel deutlich über dem Bundesdurchschnitt. «Wir hatten Anfang des Jahres eine extrem erfreuliche Entwicklung, da hatten wir im Durchschnitt einen Anteil von mehr als 70 Prozent Erneuerbare im Netz», sagte Kapferer. «Ich denke, dass wir im Durchschnitt in diesem Jahr bei knapp 70 Prozent landen werden. Nächstes Jahr kommt mindestens ein Offshore-Windpark hinzu. Insofern sind wir ganz gut unterwegs.»

Gleichwohl sei er skeptisch, was die Ziele der Bundesregierung für den Ausbau erneuerbarer Energien angehe, sagte Kapferer. Der Bund hat das Ziel ausgegeben, dass bis zum Jahr 2030 der Anteil des aus erneuerbaren Energien gewonnenen Stroms in Deutschland mindestens 80 Prozent erreicht. In diesem Jahr lag der Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Stromproduktion laut Daten des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei rund 45 Prozent.

Zwar habe der Bund zahlreiche gesetzliche Regelungen auf den Weg gebracht, die den Ausbau schon in wenigen Jahren beschleunigen dürften, betonte Kapferer. «Aber allein in unserem Netzgebiet wäre bei der Onshore-Windenergie eine Vervierfachung des aktuellen jährlichen Zubaus notwendig, um die Ausbauziele zu erreichen.» Das möge in fünf bis sieben Jahren möglich sein. «Aber beim Stand heute zu glauben, das kann schon nächstes oder übernächstes Jahr gelingen, das ist sicherlich mutig.»

Mit Blick auf die Versorgungssicherheit im eigenen Netzgebiet äußerte sich Kapferer hingegen optimistisch. «Wir sind Teil des europäischen Verbundnetzes. Das heißt, Engpässe und Knappheiten in anderen Teilen Europas können auch eine Rückwirkung auf unser Netzgebiet haben», sagte er. Aber: «Wenn man nur das 50Hertz-Netzgebiet betrachtet, dann sind wir sicherlich in einer vergleichsweise günstigen Situation.» Es gebe in der Regel weniger Engpässe. Das 50Hertz-Gebiet sei traditionell ein Strom-Exportgebiet.

Kapferer verwies zudem auf Statistiken des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), wonach der Stromverbrauch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber auch in der Industrie zuletzt abgenommen habe. «Beim Strom können schon überschaubare Einsparungen eine große Entlastung bringen, insofern bin ich da optimistisch», sagte Kapferer.

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