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Folgen häuslicher Gewalt in Pandemie-Zeit lange sichtbar

Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller in einer Küche. / Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Illustration
Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller in einer Küche. / Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Immer wieder haben Initiativen gewarnt, dass häusliche Gewalt in der Pandemie zugenommen habe. Das wahre Ausmaß sei aber erst in einigen Jahren zu sehen, mahnt der Weiße Ring Sachsen.

Die Folgen gestiegener häuslicher Gewalt in der Corona-Pandemie werden nach Einschätzung des Weißen Rings noch lange sichtbar sein. «Wir sehen schon jetzt einen deutlichen Anstieg der Anfragen zu diesem Thema. Aber viele Betroffene brauchen Jahre, bevor sie sich melden», sagte Mandy Hennig, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Sachsen. «Frauen haben durchschnittlich sieben Versuche hinter sich, bis sie es tatsächlich schaffen, sich aus einer toxischen Beziehung zu lösen.» Daher würden sich die Folgen in diesem Bereich erst in den kommenden Jahren in voller Wucht entladen.

Die Zahl der Hilfesuchenden bei häuslicher Gewalt sei bereits im ersten Pandemie-Jahr 2020 gestiegen, zum vergangenen Jahr habe die Opferschutzorganisation einen weiteren Anstieg verzeichnet. «Es gibt auch Fälle, in denen Männer Opfer häuslicher Gewalt werden. Sie melden sich aber eher über unsere Online-Beratung», sagte Hennig. Die Hemmschwelle sei dann niedriger.

Eine weitere Kriminalitätsform mit steigenden Zahlen sei in der Pandemie der Betrug, sagte Hennig. Betrüger hätten schnell die Verunsicherung vor allem älterer Menschen ausgenutzt und ihnen etwa am Telefon vorgegaukelt, dass ihre Verwandten mit Corona im Krankenhaus lägen und finanzielle Hilfe bräuchten. «Es ist Wahnsinn, mit welcher Energie und Kreativität Kriminelle ihre Strategien anpassen», sagte sie. Der Weiße Ring beobachte mit Besorgnis, welche Verbrechen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg auftauchen könnten.

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