Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat die Rolle von politischer Bildung und Zivilcourage in Zeiten zunehmender Polarisierung gewürdigt. «Wir brauchen die Auseinandersetzung, entschlossen und deutlich, aber ohne Ausgrenzung und vor allem ohne Verachtung», sagte er am Montag in Mittweida in einer digitalen Jubiläumsveranstaltung zum 30. Geburtstag der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Kontroversen seien kein «lästiges Übel», sondern notwendige Voraussetzung für das Gelingen der Demokratie. Nur im Disput ließen sich Alternativen prüfen und Kompromisse finden, die von möglichst vielen mitgetragen würden.
Die Ostdeutschen sieht Gauck von der heutigen Zeit «doppelt herausgefordert»: zum einen nach wie vor durch die «Prägungen und den Systemwechsel von 1989» und zusammen mit anderen Menschen in vielen Teilen der Welt durch Umbrüche und Krisen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Globalisierung, Klimawandel und auch die Corona-Pandemie verunsicherten Menschen rund um den Globus, so Gauck. «In solchen Situationen, wenn die Ängste stark sind, dann erfassen populistische Parolen Teile der Bevölkerung.»