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Sorbisches Ensemble beginnt Vogelhochzeits-Saison

Wenn in der Lausitz Vogelhochzeit gefeiert wird, geht der Winter langsam zu Ende. Das jedenfalls ist der Hintergrund des sorbischen Brauches. Seine Interpretationen können auch sehr modern ausfallen.

Das Sorbische National-Ensemble (SNE) feiert mit zwei Produktionen die alte Tradition der Vogelhochzeit. Das Stück für Kinder trägt in diesem Jahr den Titel «Flieg mit mir!». Regieassistentin Kristina Nerád beschrieb es am Mittwoch bei der Vorstellung des Programmes als «kleine Romeo-und-Julia-Geschichte mit glücklichem Ende». Als verfeindete Familien stehen sich in der Waldgesellschaft schon seit Generationen Raben und Elstern gegenüber. Alle Bewohner des Waldes leiden darunter, doch die jungen Vögel lehnen sich auf.

Das Stück für die jungen Theaterfans soll 20 Mal aufgeführt werden, 19 Vorstellungen in Bautzen, Cottbus, Crostwitz, Hoyerswerda und Kamenz sind speziell für Schulkinder vorgesehen. «Flieg mit mir!» ist dabei in vier sprachlichen Versionen zu erleben - in Obersorbisch und Deutsch sowie in je einer Kombination von Deutsch mit Obersorbisch und Niedersorbisch. Premiere ist am 19. Januar in der Spielstätte des SNE in Bautzen, das Finale findet am 9. Februar in der Stadthalle Cottbus statt.

Für die Erwachsenen zeigt das Nationalensemble eine musikalische Rarität: die Komische Oper «Jakub & Kata» von Korla Awgust Kocor (1822-1904). Die einzige Nationaloper der Sorben war erst 1966 uraufgeführt worden. Nun hat Komponistin Liana Bertók eine Adaption für Kammerorchester verfasst und in der Neuzeit angesiedelt: Jakub bricht sich beim Fußball die Nase und gerät in eine Ehekrise. Musikerin Bertók, die bei «Jakub & Kata» auch Regie führt, hat für ihre Fassung der Oper weitere Musikstücke von Kocor verarbeitet. Nach der Premiere am Donnerstag (12. Januar) in der Cottbuser Stadthalle sind weitere neun Aufführungen geplant.

Die Vogelhochzeit hat in der Lausitz, dem Siedlungsgebiet der Sorben, eine lange Tradition. Sie markiert das nahende Ende des Winters. Nach altem Brauch stellen Kinder am Vorabend des 25. Januar leere Teller ans Fenster. Am Morgen liegt Gebäck in Vogel- und Nestform darauf, mit dem sich die Tiere für die Fütterung in der kalten Jahreszeit bedanken. In Kitas und Schulen wird Vogelhochzeit gefeiert, wobei sich Kinder verkleiden: als Hochzeitsbitter - also Zeremonienmeister einer sorbischen Hochzeit - im schwarzen Anzug mit Stock und Zylinder, Braut und Bräutigam, Patinnen, Brautjungfern und Gäste.

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