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Koffer und Busse vor dem Landtag: Tourismus in der Krise

29.04.2020 von

Foto: Teilnehmer einer Kundgebung unter dem Motto «Rettet die Tourismuswirtschaft» vor dem Landtag. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die schwer von der Corona-Krise gezeichnete Tourismusbranche fordert schrittweise Lockerungen und Hilfe von der Politik. Als Signal stellten Vertreter sächsischer Reiseunternehmen und -büros am Mittwoch vor dem Landtag in Dresden Koffer ab und ließen einen Konvoi mit Dutzenden Reisebussen durch die Innenstadt fahren, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Unter dem Motto «Rettet die Tourismuswirtschaft» fanden solche Aktionen auch in anderen Städten Deutschlands statt.

Branchenvertreter machten in einem Gespräch mit Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) klar, dass die Unternehmen schon seit Wochen keine Einnahmen mehr haben und die Lage inzwischen prekär ist. «Ich kann die Forderungen der Reiseunternehmen sehr gut nachvollziehen, denn die Tourismusbranche ist besonders von der Corona-Krise betroffen», sagte Klepsch. Sie setze sich deshalb dafür ein, das Sofortzuschussprogramm des Bundes um weitere Monate zu verlängern und zudem für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten zu öffnen: «Parallel arbeiten wir in Sachsen aktuell an einem Stufenplan zu möglichen Lockerungen im Tourismus.»

Später war die Lage der Branche auch Gegenstand einer Debatte im Landtag, die auf Antrag der AfD auf die Tagesordnung gelangte. Deren Vertreter warfen der Regierung sinngemäß vor, eine ganze Branche in den Ruin zu treiben.

Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) wies die Anschuldigungen zurück und sprach von «hysterischem Populismus» vor. Es sei völlig klar, dass diese Branche von der Krise schwer gebeutelt ist. Der Regierung sei die Dramatik der Situation bewusst. Pro Woche würden der Branche etwa 140 Millionen Umsatz fehlen - allein im März und April mehr als eine Milliarde Euro.

Klepsch zufolge wird die Tourismuswirtschaft das nicht ohne langfristige Unterstützung - auch staatliche Unterstützung - schaffen. Sie verstehe, dass es Forderungen nach Lockerungen gibt. Bei allem müsse man aber daran denken, dass es sich um eine Pandemie handelt und das Coronavirus lebensgefährlich ist. Es gehe darum Entscheidungen verantwortungsbewusst abzuwägen. Man arbeite mit Hochdruck an Lockerungen für die Branche.

Nach einer Einschätzung von Branchenverbänden sehen derzeit rund zwei Drittel der Reiseveranstalter und Reisebüros sowie 80 Prozent der touristisch orientieren Busunternehmen in den nächsten Wochen ihre Existenz gefährdet. Aus diesem Grund sei eine Exitstrategie unter Berücksichtigung von Entwicklungsszenarien der Pandemie erforderlich. Es gehe nicht darum, morgen gleich wieder in alle Welt zu reisen, sondern um einen vorsichtigen Fahrplan.

Inhalt: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bilder: Teilnehmer einer Kundgebung unter dem Motto «Rettet die Tourismuswirtschaft» vor dem Landtag. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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