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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Schulen und Kitas: Kinder- und Jugendmediziner für Augenmaß

Symbolbild Corona / pixabay
Symbolbild Corona / pixabay

Wegen der immer dramatischeren Corona-Lage in Deutschland stehen weitere Kontaktbeschränkungen im Raum, auch für die Jüngsten. Erste Länder ziehen die Weihnachtsferien vor - in Sachsen sollen Kitas und Schulen offen bleiben.

In der Debatte um härtere Pandemie-Maßnahmen warnt der Chef der Kinder- und Jugendklinik des Dresdner Universitätsklinikums, Reinhard Berner, vor den Folgen von Kita- und Schulschließungen. Sie schadeten der Gesundheit, sagte der auf Infektionskrankheiten spezialisierte Kinderarzt der Deutschen Presse-Agentur. Man habe in den vorherigen Corona-Wellen «bitteres Lehrgeld» gezahlt. Nicht nur die Bildung werde behindert, in vielen Studien sei deutlich geworden, «wie krank die Kinder werden ohne Schule und Kita». So hätten etwa der Missbrauch von Substanzen und Medien sowie Fettleibigkeit zugenommen sowie sich chronische und psychische Erkrankungen verschärft. «Und diese Effekte sind substanziell.»

Die Frage sei, wie wichtig der Gesellschaft Kita-Betreuung und Schule sind. «Wenn der Infektionsschutz über allem steht, dann wird mit jedem Infektionsfall geschlossen.» Man könne die Einrichtungen mit Testungen, bekannten Hygienemaßnahmen und großzügigem Quarantänemanagement in dem Wissen offenhalten, dass Kinder einen relativ milden Verlauf haben. Das sehr regelmäßige Testen von Kindern in den Schulen habe ja genau den Zweck, Infektionsfälle frühzeitig zu erfassen und zu isolieren.

Schutz durch das Impfen der Erwachsenen müsse im Vordergrund stehen «und nicht der Schutz der Erwachsenen durch das Schließen von Klassen oder Schulen», sagte Berner. «Die Gesellschaft muss sagen, ob ihr Schule und Teilhabe vor allem der kleinen Kinder so wichtig ist, dass sie bereit ist, im Wissen um die milden Verläufe dort auch Infektionsfälle in Kauf zu nehmen.» Es gehe eben nicht um eine «gewünschte Durchseuchung», sondern «um Quarantäne mit Augenmaß und darum das Wohl des Kindes im Fokus zu behalten».

Im Freistaat sollen die Einrichtungen offen bleiben. Nach einer Häufung von Infektionsfällen sind nach Angaben des Kultusministeriums aktuell 72 Schulen vollständig geschlossen sowie 235 teilweise geschlossen - und damit insgesamt knapp 22 Prozent aller 1400 Schulen landesweit betroffen.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH