Der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Menschen in Deutschland weiterhin stark. Viele fragen sich, ob auch unser Land bedroht sein könnte. Forschende der Universität Leipzig und der Technischen Universität München wollten genau wissen, wie die Bevölkerung darüber denkt. Sie befragten über 1.000 zufällig ausgewählte Deutsche zu ihrer Meinung über Verteidigung und Sicherheit. Das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. hat die Ergebnisse jetzt veröffentlicht.
Das Ergebnis ist eindeutig. Die Mehrheit will, dass Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit stärkt. Dazu gehören auch höhere Ausgaben für die Bundeswehr. "Es finden sich Mehrheiten in der Bevölkerung für einen personellen Ausbau der Bundeswehr, ein entschiedeneres Vorgehen gegen hybride Angriffe und eine gemeinsame europäische Armee", erklärt Philipp Lergetporer von der TU München. Auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht befürwortet eine relative Mehrheit der Befragten.
Sorge vor militärischem Konflikt wächst
Besonders auffällig ist die Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung. Knapp zwei Drittel der Befragten, also 62 Prozent, befürchten einen bewaffneten Konflikt zwischen Russland und einem NATO-Mitgliedstaat. Fast jeder Zweite hat große Sorgen, dass es sogar zu Kampfhandlungen zwischen Deutschland und Russland auf deutschem Boden kommen könnte. Diese Zahlen zeigen, wie ernst die Bedrohungslage von vielen Menschen eingeschätzt wird.
Die Leipziger Forschenden befragten die Teilnehmenden auch nach konkreten Maßnahmen. Die Bevölkerung unterstützt eine engere Zusammenarbeit in Europa, besonders in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und Zivilschutz. Für eine gemeinsame europäische Armee gibt es ebenfalls breite Zustimmung.
Geld umschichten statt neue Schulden
Bei der Finanzierung zeigt sich ein klares Bild. Die Befragten wollen vorhandene Staatsausgaben umschichten. Mehr Geld soll in Verteidigung und innere Sicherheit fließen, dafür weniger in Sozialausgaben. Die beschlossene Ausnahme von der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben findet dagegen keine Mehrheit. "Insgesamt spiegeln die Ergebnisse einen klaren Reformwillen zur Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands wider und lassen Rückschlüsse auf mehrheitsfähige Verteidigungspolitiken in der Bevölkerung zu", sagt Juniorprof. Dr. Sebastian Blesse von der Universität Leipzig.
Die Studie wurde zwischen Juli und September 2025 durchgeführt und ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Neu an der Untersuchung ist, dass die Forschenden nicht nur nach der grundsätzlichen Meinung fragten. Sie erfassten auch die Zustimmung zu konkreten sicherheitspolitischen Maßnahmen und deren Finanzierung. Das Institut ifo hat die Ergebnisse gerade auf seinen Seiten veröffentlicht.