Einen Schlaganfall überleben – und wenige Tage den nächsten erleiden. Für viele Betroffene ist das bittere Realität. Von den 270.000 Menschen, die jährlich in Deutschland einen Schlaganfall bekommen, trifft es etwa jeden Dritten ein weiteres Mal. Besonders gefährlich sind die ersten Tage nach dem Hirninfarkt. Mediziner der Technischen Universität Dresden wollen das jetzt ändern und testen eine neue Therapie, die einen weiteren Schlaganfall kurze Zeit später verhindert.
Prof. Timo Siepmann leitet an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Dresden die Studie POTENTIAL. 2.100 Patienten werden bundesweit teilnehmen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Projekt in der ersten Phase mit drei Millionen Euro. Insgesamt umfasst die Studie 5,9 Millionen Euro.
Zwei Medikamente statt einem
Ein Schlaganfall entsteht meist, wenn ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verstopft. Ärzte öffnen das Gefäß schnell wieder, entweder mit einem Medikament oder mit einem Katheter. Danach bekommen Patienten Mittel, die verhindern sollen, dass sich neue Gerinnsel bilden. Diese Medikamente hemmen die Blutplättchen, die sonst verklumpen würden.
Bei leichten Schlaganfällen setzen Mediziner bereits zwei solcher Medikamente gleichzeitig ein. „Unser Ziel ist es zu klären, ob Patientinnen und Patienten mit einem leichten Schlaganfall gerade nach einer erfolgreichen Akutbehandlung von einer 21-tägigen verstärkten Hemmung der Blutplättchen profitieren", erklärt Siepmann. Ob diese Kombination auch nach einer Notfallbehandlung hilft, ist noch unklar.
Hoffnung auf bessere Behandlung
Die Dresdner Forscher wollen herausfinden, ob die doppelte Medikamentengabe das Risiko für weitere Schlaganfälle senkt. Gleichzeitig prüfen sie, ob dadurch nicht zu viele gefährliche Blutungen auftreten. Prof. Hagen Huttner, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik, sagt dazu: „Dafür müssen wir herausfinden, ob die intensivierte Therapie das Risiko für erneute Schlaganfälle signifikant senkt, ohne das Blutungsrisiko unverhältnismäßig zu erhöhen."
Die Studie startet im Februar 2026. Teilnehmer werden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine erhält drei Wochen lang beide Medikamente – ASS und Clopidogrel. Die andere bekommt nur ASS, wie es heute üblich ist. Mit Magnetresonanztomografie und klinischen Untersuchungen messen die Ärzte den Erfolg. Die Ergebnisse könnten die Behandlung von Schlaganfällen weltweit verändern. „Die Koordinierung dieser großangelegten Studie unterstreicht die Vorreiterrolle der Hochschulmedizin Dresden in der Schlaganfallforschung", betont Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden.