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Blutvergiftung besser behandeln: 7,5 Millionen Euro für Projekt unter Leipziger Führung

Selbst kleine Verletzungen können sich entzünden und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen. Leipziger Forscher wollen die Behandlung von Blutvergiftungen verbessern. © KI-generiert mit ChatGPT
Selbst kleine Verletzungen können sich entzünden und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis führen. Leipziger Forscher wollen die Behandlung von Blutvergiftungen verbessern. © KI-generiert mit ChatGPT

Das Universitätsklinikum Leipzig leitet ein bundesweites Projekt gegen Blutvergiftung. Digitale Daten und eine neuartige Diagnostik sollen künftig Todesfälle verhindern. 75.000 Menschen sterben allein in Deutschland jedes Jahr an einer Sepsis.

Ein Insektenstich entzündet sich, eine Lungenentzündung wird nicht rechtzeitig erkannt, nach einer Operation dringen Keime in den Körper ein: Was harmlos beginnt, kann zur Sepsis werden – einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung. Jährlich sterben in Deutschland etwa 75.000 Menschen daran. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Das Universitätsklinikum Leipzig startet nun ein Großprojekt, das die Behandlung bundesweit verbessern soll.
Das Vorhaben trägt den Namen optiSEP und erhält 7,5 Millionen Euro Förderung vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss. Die Leipziger Uniklinik übernimmt die Leitung des Forschungsverbunds. Partner sind Universitätskliniken aus Essen, Göttingen, Magdeburg und Aachen. Die Arbeit beginnt im September 2026 und läuft über dreieinhalb Jahre.

Digitale Daten sollen helfen, Leben zu retten

Das Problem liegt oft nicht nur in der Medizin selbst, sondern in den Übergängen zwischen verschiedenen Stationen. Der Rettungsdienst bringt einen Patienten in die Notaufnahme, von dort geht es auf die Intensivstation, später in die Reha. Bei jedem Wechsel können wichtige Informationen verloren gehen. „Mit optiSEP schaffen wir die Voraussetzungen, moderne Diagnostik, digitale Datenströme und strukturierte Behandlungspfade so zu verbinden, dass Patientinnen und Patienten schneller und zielgerichteter profitieren", sagt Dr. Alexandra Ramshorn-Zimmer vom Universitätsklinikum Leipzig. Sie hat das Projekt initiiert und leitet es.

Die Forschenden wollen alle Behandlungsdaten digital verknüpfen und nutzbar machen. Auf dieser Basis sollen Computerprogramme entstehen, die gefährliche Verläufe früher erkennen und Ärzte bei Entscheidungen unterstützen. Außerdem werden einheitliche Behandlungsschritte erarbeitet, damit die Therapie überall nach den neuesten medizinischen Standards erfolgt. Ramshorn-Zimmer erklärt, dass der Anspruch sei, die Versorgungskette nicht nur zu analysieren, sondern konkret so zu verbessern, dass an den Schnittstellen weniger Information verloren geht und die Behandlungsqualität messbar steigt.

Neue Methode spürt Erreger schneller auf

Ein wichtiger Baustein ist eine moderne Untersuchungsmethode namens Next-Generation Sequencing. Sie kann Krankheitserreger direkt über ihr Erbgut identifizieren. Herkömmliche Labortests brauchen oft mehrere Tage, weil Bakterien erst in Kulturen angezüchtet werden müssen. Manche Erreger lassen sich so gar nicht nachweisen. Die neue Methode ist schneller und findet auch schwierige Keime. Das hilft, die Behandlung mit Antibiotika früher anzupassen.

„Sepsis kennt keine Sektorengrenzen. Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen", sagt Prof. Felix Walcher von der Universitätsmedizin Magdeburg. OptiSEP verbindet moderne Computerhilfen, neue Untersuchungsmethoden und klare Behandlungsschritte, um die Patientenversorgung vom Rettungswagen bis zur Reha zu verbessern. Das Projekt baut auf Erfahrungen des Vorgängerprojekts DigiSep auf und könnte später auch für andere Krankheiten als Vorbild dienen.

METIS