Ein Insektenstich entzündet sich, eine Lungenentzündung wird nicht rechtzeitig erkannt, nach einer Operation dringen Keime in den Körper ein: Was harmlos beginnt, kann zur Sepsis werden – einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung. Jährlich sterben in Deutschland etwa 75.000 Menschen daran. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Das Universitätsklinikum Leipzig startet nun ein Großprojekt, das die Behandlung bundesweit verbessern soll.
Das Vorhaben trägt den Namen optiSEP und erhält 7,5 Millionen Euro Förderung vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss. Die Leipziger Uniklinik übernimmt die Leitung des Forschungsverbunds. Partner sind Universitätskliniken aus Essen, Göttingen, Magdeburg und Aachen. Die Arbeit beginnt im September 2026 und läuft über dreieinhalb Jahre.
Neue Methode spürt Erreger schneller auf
Ein wichtiger Baustein ist eine moderne Untersuchungsmethode namens Next-Generation Sequencing. Sie kann Krankheitserreger direkt über ihr Erbgut identifizieren. Herkömmliche Labortests brauchen oft mehrere Tage, weil Bakterien erst in Kulturen angezüchtet werden müssen. Manche Erreger lassen sich so gar nicht nachweisen. Die neue Methode ist schneller und findet auch schwierige Keime. Das hilft, die Behandlung mit Antibiotika früher anzupassen.
„Sepsis kennt keine Sektorengrenzen. Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen", sagt Prof. Felix Walcher von der Universitätsmedizin Magdeburg. OptiSEP verbindet moderne Computerhilfen, neue Untersuchungsmethoden und klare Behandlungsschritte, um die Patientenversorgung vom Rettungswagen bis zur Reha zu verbessern. Das Projekt baut auf Erfahrungen des Vorgängerprojekts DigiSep auf und könnte später auch für andere Krankheiten als Vorbild dienen.