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Ostdeutsche Bauindustrie geht eher skeptisch ins neue Jahr

Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Ost (BIVO). / Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Ost (BIVO). / Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Lieferengpässe, gestiegene Rohstoffpreise und knappere Kassen bei den öffentlichen Auftraggebern - die ostdeutsche Bauindustrie sieht sich 2022 vor etliche Herausforderungen gestellt.

Die ostdeutsche Bauindustrie geht eher skeptisch ins neue Jahr. In einer Blitzumfrage des Bauindustrieverbands Ost (BIVO) rechneten knapp 42 Prozent der Mitgliedsunternehmen mit sinkenden Umsätzen 2022 im Vergleich zum Vorjahr, wie BIVO-Hauptgeschäftsführer Robert Momberg mitteilte. 20 Prozent gehen von gleichbleibenden Erlösen aus und nur rund 38 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Ihre Ertragslage bewerten aktuell knapp 42 Prozent der Unternehmen als gut. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr hatten noch 65,5 Prozent der Baufirmen von einer guten Ertragslage gesprochen.

«Es sind viele Einflussfaktoren, die uns gerade intensiv beschäftigen», sagte Momberg. Vor allem die Auswirkungen von Corona auf die Vergabe von Bauaufträgen, die Lieferengpässe und die gestiegenen Rohstoffpreise machten den Unternehmen Sorgen. Angesichts stabiler Umsätze in den ersten neun Monaten 2021 und zumindest eines kleinen Zuwachses beim Auftragseingang sei Pessimismus aber nicht angebracht. Die Zahlen für das Gesamtjahr liegen noch nicht vor.

Bei den Kommunen - einem der wichtigsten Auftraggeber der ostdeutschen Bauindustrie - machten sich die Ausfälle bei der Gewerbesteuer infolge von Corona bemerkbar. «Die Kommunen halten sich stark zurück. Teilweise werden Ausschreibungen, die schon am Markt waren, wieder zurückgenommen, weil man nicht weiß, wie sich die Finanzlage in den nächsten Monaten darstellt», sagte Momberg. Dazu kämen die gestiegenen Materialpreise. «Oftmals sind die Projekte jetzt 10 oder 20 Prozent teurer», so der Verbandschef.

Auch in den Landeshaushalten werde der Spielraum für Investitionen kleiner. «Wir hören immer häufiger, dass das Geld - salopp gesagt - alle ist. Es wird verausgabt für Corona und die Beseitigung der Folgen. Das ist natürlich auch nachvollziehbar», sagte Momberg. Es gebe aber den eindeutigen Trend in den Ländern, dass Investitionen hinter den Corona-Bewältigungskosten zurücktreten müssten.

Ein großes Problem für die Baufirmen seien zudem die extrem gestiegenen Materialpreise. Holz sei im Jahresvergleich von Oktober 2021 zu 2020 um 76 Prozent teurer geworden, Kupfer um 40 Prozent und Bitumen um 46 Prozent. Da Bauverträge langfristig geschlossen würden, hätten die Unternehmen jetzt Mühe nachzuverhandeln, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Zugleich gebe es bei neu geschlossenen Verträgen nicht immer die Bereitschaft der Bauherren, steigende Kosten über sogenannte Stoffpreisgleitklauseln einzupreisen.

«70 Prozent unserer Unternehmen sagen, dass die finanziellen Auswirkungen durch Corona groß bis sehr groß sind. Das heißt schlicht, dass es an die Marge, die Rentabilität oder sogar die Liquidität der Unternehmen geht», sagte Momberg. Die Baubranche dürfe nicht dadurch in Schwierigkeiten gebracht werden, dass sie gestiegene Rohstoffpreise nicht auf die Bauherren umlegen kann. Letztlich leiteten die Firmen das Material ja nur weiter ins Eigentum der Bauherren. Momberg forderte die Auftraggeber daher zu Fairness und größerer Kompromissbereitschaft auf.

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