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EnviaM-Chef Lowis: Mehr Tempo bei Energie-Ausbau

Zwei Techniker warten eine Windkraftanlage vom Typ Enercon E92 im Landkreis Zwickau. / Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Zwei Techniker warten eine Windkraftanlage vom Typ Enercon E92 im Landkreis Zwickau. / Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

2022 geht das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz und in den kommenden Jahren sollen die klimaschädlichen Kohlekraftwerke folgen. Versorgungsengpässe bei Strom sieht der Chef des Energieversorgers EnviaM derzeit nicht. Folgen hat diese Entwicklung dennoch.

Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien wird nach Einschätzung von EnviaM-Vorstandschef Stephan Lowis für Unternehmen immer wichtiger bei Standortentscheidungen. «Das gibt zunehmend den Ausschlag dafür, wo sich Unternehmen neu ansiedeln oder weitere Investitionen tätigen», sagte der Chef des ostdeutschen Energieversorgers der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele verwies er auf die Ansiedlung des Autobauers Tesla in Grünheide (Brandenburg) sowie den Bau eines großen Solarparks mit BASF in der Lausitz. Er soll künftig dem Chemie-Werk in Schwarzheide grünen Strom liefern.

Auch deswegen müsse beim Ausbau von Windenergie und Photovoltaik mehr Tempo aufgenommen werden, mahnte Lowis. In Sachsen etwa gab es 2021 Rückbau statt Ausbau bei der Windenergie. Die Zahl der Windräder ging laut Energieministerium von 937 auf 930 zurück, die installierte Leistung sank um 4,1 Megawatt. Hinderlich sei, wenn Abstandsregeln zu restriktiv ausgelegt würden, erklärte Lowis. Auch müssten mehr geeignete Flächen ausgewiesen und die Genehmigungsbehörden personell so ausgestattet werden, dass Anträge zügig bearbeitet werden könnten.

EnviaM beliefert knapp 1,3 Millionen Kunden in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit Strom, Gas und Wärme und betreibt selbst Wind- und Solarparks in diesen Regionen. 2022 soll der Windpark Lützen in Sachsen-Anhalt um weitere 5,6 Megawatt ausgebaut werden. Geplant ist außerdem die Fertigstellung neuer Solarparks in Guben (Brandenburg), Borau (Sachsen-Anhalt) und zusammen mit BASF in Schwarzheide (Brandenburg).

Versorgungsengpässe bei Strom sieht Lowis derzeit nicht, auch wenn dieses Jahr die letzten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen und in den kommenden Jahren schrittweise die Kohlekraftwerke folgen sollen. Allerdings trieben befürchtete Stromknappheiten - neben anderen Faktoren wie steigende CO2-Preisen und die Versorgungslage mit Erdgas in Europa - die Großhandelspreise. Die Terminmarktpreise etwa für das Lieferjahr 2022 hätten sich an der Strombörse binnen zwei Jahren verfünffacht.

Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien muss die Politik nach Ansicht Lowis' dringend Anreize zur Schaffung von Speicherkapazitäten schaffen, um so künftig Grundlast im Stromnetz aus erneuerbaren Energien zu ermöglichen. «Vor allem Wasserstoff kommt da ins Spiel.» Mit dessen Hilfe könnte Strom, wenn genug Sonne und Wind da sind, gespeichert, und später wieder eingespeist werden.

Die Technologie sei vorhanden, sagte Lowis. «Die Rahmenbedingungen sind bisher aber nicht so ausgerichtet, dass es zu einer Massenanwendung kommt», erklärte er. «Wasserstoff wird nicht der Champagner, sondern das Tafelwasser der Energiewende». Auch sein Unternehmen arbeite an dem Thema. Die eigenen Gasnetze seien schon jetzt für eine vollständige Wasserstoff-Nutzung geeignet. Konkretere Details wollte er noch nicht nennen.

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