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Chemiebranche warnt vor Folgen bei Energieembargo

Die Bundesregierung arbeitet mit Hochdruck an alternativen Quellen für eine sichere Energie- und Rohstoffversorgung der Industrie. «Wir wollen nie wieder so abhängig sein wie wir das waren, von Russland», betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftministerium, Michael Kellner, am Freitag nach einem Besuch in Leuna. Es gehe darum, den Ausbau alternativer Energie- und Rohstoffquellen zu beschleunigen und die Wertschöpfungsquelle stabil zu halten. Ein Ziel sei es, Ende 2022 unabhängig von russischen Öllieferungen zu sein. Zudem gehe es darum, Gasspeicher in Deutschland schneller und mehr als bisher mit Vorräten zu befüllen.

Ein sofortiger Lieferstopp, etwa von Gaslieferungen aus Russland, hätte nach Ansicht von Branchenvertretern existenzielle Folgen für Deutschland. «Wenn Gas fehlt, geht der Standort außer Betrieb und wir haben einen Zusammenbruch der Chemie, einen Zusammenbruch der gesamten deutschen Industrie», sagte Christof Günther, Geschäftsführer der Infraleuna GmbH.

Er verwies auf Abhängigkeiten anderer Industriezweige von der Chemie, deren Produkte in nahezu allen Lebensbereichen wichtig seien, etwa in der Automobilbranche oder der Verpackungsindustrie für Lebensmittel. «Es ist unmöglich, kurzfristig den Hahn zuzudrehen», sagte Günther. Er ist energiepolitischer Sprecher der ostdeutschen Branche im Verband Nordostchemie.

Nach Ansicht des Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), ist Leuna «das Herz» der Chemie in den neuen Ländern und von überregionaler Bedeutung. Rund 1,3 Milliarden Euro werden den Angaben zufolge am Standort in den nächsten Jahren investiert, darunter in eine Bioraffinerie. Zudem gibt es Forschungen und Anlagenprojekte zum sogenannten grünen Wasserstoff, der perspektivisch fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle ersetzen soll.

Die Chemie- und Pharmaindustrie ist in Ostdeutschland die drittgrößte Branche mit rund 65.000 Beschäftigten. Bundesweit hat die Chemie rund 465.000 Beschäftigte. Leuna gehört in Ostdeutschland zu den größten Arbeitgebern der Branche mit rund 12.000 Mitarbeitern, die in Firmen auf dem 1300 Hektar großen Industriegelände tätig sind. Die Infraleuna bietet den Ansiedlern Dienstleistungen wie Energie aus Gaskraftwerken an. Zudem hat der französische Mineralölkonzern Total eine Raffinerie, die in Leuna aus Erdöl Kraftstoffe wie Benzin und Diesel für Tankstellen sowie Grundstoffe für die Chemie herstellt.

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