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Autozulieferer warnen: Forderung nach bezahlbarer Energie

Die Automobilzulieferer in Sachsen sehen sich mit dem Rücken zur Wand. Vor allem Energiekosten seien für viele stark gestiegen und unberechenbar geworden. Die Situation sei verheerend, sagte Dirk Vogel vom Branchennetzwerk AMZ am Donnerstag beim Automotive-Forum in Zwickau. «Lieferanten brechen weg, Energiekosten sind nicht mehr zu bezahlen und das bei nochmaligem Absatzrückgang zum Corona-Vorjahr.» Zwar seien die meisten Firmen ausgelastet. «Das Problem ist, dass sich die Produktion bei vielen Unternehmen nicht rechnet.» Vogel warnte vor möglichen Folgen: Wenn Firmen die Produktion einstellen, könnten erneut Liefer- und Produktionsketten zusammenbrechen.

Beispiel Lößnitz im Erzgebirge. Max Jankowsky stellt in seiner Gießerei mit 85 Beschäftigten Werkzeuge für den Automobilbau her. Im Sommer sei dem Unternehmen vom Energieversorger der Vertrag gekündigt worden, sagte er. Seither beziehe es die Energie zu tagesaktuellen Preisen am sogenannten Spotmarkt. Statt drei gebe es nun nur noch zwei Gießtage pro Woche in seinem Unternehmen. Doch wie hoch die genauen Kosten jeweils sind, wisse er immer erst hinterher. Dabei hätten sich die Energiepreise insgesamt erheblich verteuert. Und die Aufschläge könnten nur teils an die Kunden weitergegeben werden.

«Unsere Branche steht vor einer ganz großen Katastrophe», sagte Jankowsky. Dabei beklagte er einen immensen Vertrauensverlust in die Politik. «Das Vertrauen kann man auch nicht mit einem Wumms oder mit 200 Milliarden Euro kaufen», betonte er mit Blick auf die jüngsten Entlastungsankündigungen der Bundesregierung. «Wir brauchen bezahlbare, planbare Energie.»

Die Kündigung von Energieverträgen sei kein Einzelfall in der Branche, betonte AMZ-Netzwerkmanager Vogel. Hinzu kämen Preissteigerungen bei Vorprodukten. «Den Unternehmen geht schlichtweg das Geld aus.» Ein Großteil stufe die Energiekrise als existenzgefährdend ein. Um Abhilfe zu schaffen, müssten die Energiepreise sinken. Vogel: «Wir brauchen mehr Energie am Markt.»

Zur Automobilbranche werden in Sachsen den Angaben nach rund 800 Unternehmen mit 95.000 Beschäftigten gezählt. Neben Produktionsstätten der großen Hersteller Volkswagen, BMW und Porsche gehört dazu eine Vielzahl von Zulieferbetrieben.

Die Branche steckt dabei seit Jahren in einem tiefgreifenden Umbruch hin zur Elektromobilität. Hinzu kamen mehrere Krisen. Allein dieses Jahr könnten wegen Corona-Pandemie, Halbleitermangel und dem Krieg in der Ukraine weltweit rund 4 Millionen Autos nicht gebaut werden, sagte der Automobilexperte der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC Thomas Steinberger in Zwickau. Zugleich bleibe die Nachfrage auf hohem Niveau. «Die Erholung wird kommen», betonte Steinberger.

Die deutsche Zulieferindustrie ist seiner Analyse zufolge führend, was Ausgaben in Forschung und Entwicklung angehe. Das sei für die Unternehmen eine Wette auf die Zukunft, die sich bisher allerdings noch nicht ausgezahlt habe, betonte Steinberger mit Verweis auf ihre Profitabilität.

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