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Luftbrunnen und Sprühnebel könnten Innenstädte abkühlen

Der neue Marktbrunnen in Chemnitz, gestaltet vom Künstler Daniel Widrig, sprudelt vor dem Alten Rathaus. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild
Der neue Marktbrunnen in Chemnitz, gestaltet vom Künstler Daniel Widrig, sprudelt vor dem Alten Rathaus. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild

Bei langanhaltender Hitze gleichen Sachsens Innenstädte teils einem Backofen. In dicht bebauten Städten weht kaum ein Lüftchen, die vielfach versiegelten Flächen heizen sich immer weiter auf. Dabei könnten einfache und günstige Maßnahmen für Abkühlung sorgen.

Natürliche Ressourcen der Erde könnte gegen die besonders starke Erwärmung der Innenstädte in langen Hitzeperioden helfen. «Luftbrunnen wurden schon von den Römern vor fast 2000 Jahren zur Abkühlung der Gebäude genutzt», sagte Johannes Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Universität Leipzig. In einer Tiefe von etwa zwei Metern gebe es eine konstante Temperatur von 13 Grad Celsius, die zum Kühlen im Sommer und auch im Winter zum Wärmen eingesetzt werden könnte.

Dazu wird über eine Art Kammer unter der Erde eine Luftzufuhr geschaffen. «Die warme Außenluft wird angezogen und durch die Erde geleitet. Die so abgekühlte Luft zieht dann durch natürliche Thermik wieder nach oben», erläuterte Ringel. So könnten nicht nur Gebäude sondern auch Straßenzüge und Plätze temperiert werden.

Zudem würden über die Innenstädte verteilte Wasserflächen und Brunnen, die nicht tief sein müssten, helfen, um die Temperaturen zu verringern. «Verdunstungskühle ist sehr effizient. Wenn warme Luft über Wasserflächen streicht, verdunstet Wasser. Dabei wird der Luft Wärme entzogen, es wird fühlbar kühler. Fontänen und Sprühnebel können das noch verstärken.»

Diese Maßnahmen seien effektiv und günstiger als energieintensive Klimaanlagen, betonte der Experte. Die Menschen seien aber zu technikgläubig und zudem habe man sich zu lange auf andere Energiequelle wie die Kohle verlassen.

Zudem müsste die Mobilität in den Innenstädten laut Ringel deutlich reduziert werden, um Straßen und Parkplätze zu entsiegeln. So könnten Grünanlagen mit Bäumen entstehen, die für eine kühlende Verschattung sorgen. «Dieses Konzept ist auch an Fassaden denkbar. Wenn etwa Wein an den Gebäuden hochwächst, sorgt dieser für Schatten und damit Kühle.» Auch säulenartige Bäume nahe der Häuser wären hilfreich.

Städtebaulich sollte bei künftigen Wohnprojekten auf eine Ost-Westausrichtung geachtet werden. So könnten die Gebäude gegenseitig für eine Verschattung sorgen. Auch helle Gebäudefarben wären sinnvoll.

Der weiterhin hohe Grad an Versiegelung ist nach Angaben des Naturschutzbundes Sachsen (Nabu) besonders schädlich für das Mikroklima in den Städten. «Immer mehr Brachflächen und Nachbarschaftsgärten in den Innenstädten müssen Wohn- und Straßenbauprojekten weichen», sagte Philipp Steuer, Naturschutzreferent beim Nabu Sachsen. Neben den klimaschädlichen Auswirkungen seien davon auch viele geschützte Tierarten betroffen. «Aber bei der städtebaulichen Entwicklung laufen viele Kommunen hauptsächlich den Investoren hinterher.»

Nach Angaben des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie lag die tägliche Inanspurchnahme neuer Flächen zwischen 2015 und 2020 bei 4,5 Hektar. Das eigentliche Ziel der Landesregierung liegt bei unter 2 Hektar pro Tag.

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