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Verena Leister: In jedem Gang etwas Erinnerungswürdiges

Hauptgang bei Verena Leister: Der Klassiker Filet Wellington – mit Estragon-Emulsion, Pastinakenpüree und Rotweinjus (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Hauptgang bei Verena Leister: Der Klassiker Filet Wellington – mit Estragon-Emulsion, Pastinakenpüree und Rotweinjus (Bild: Ulrich van Stipriaan)

Verena Leister ist zurück in Dresden und hat mit Philipp das Foodlab eröffnet. Ihr Menü kombiniert Löffelgrüße, Gillardeau-Austern, Thunfisch-Tatar, Kartoffelpraline, Kalbsbäckchen und ein hundertjähriges Filet Wellington mit einer präzisen Weinbegleitung von Champagner bis Tawny Port. Menü inkl. Wein 189 €.

Verena Leister is back in town – und das ist gut so. Immer wieder ist sie (mal hier – mal dort) aufgetaucht und die Gäste mit ihren Kreationen begeistert. Nun hat sie – zusammen mit ihrem Mann Philipp – ihr eigenes Foodlab eröffnet und legt dort im Rahmen der Kochsternstunden gleich richtig los. Eingerahmt von ihrer Spezialität Essen auf dem Löffel, die sie seit der Teilnahme 2016 bei The Taste bekannt gemacht haben, schickte sie aus der Küche ein Menü der Extraklasse.

Vor sieben Jahren waren wir ja schon mal an der Adresse – damals noch oben im Haus im Wohnzimmer der beiden Protagonisten. Der Umzug in ein ehemaliges Büro und die aufwändige Renovierung desselben haben sich gelohnt: die neuen Räume sind praktisch, großzügig und elegant. Was Stammgäste (irgendwas gibt's ja immer zu beklagen) schade fanden: die Küche ist nun – anders als in der privaten Wohnung – hinter einer verschlossenen Tür. So kann man also die Köchin nicht mehr stören während der Vorbereitung des nächsten Gangs – aber selbstredend beantwortet Verena nach wie vor alle Fragen. Auch wenn die Antwort manchmal eher verwirrend als hilfreich ist, wie die Erläuterungen zur Frage: Wie kommt das flüssige Eigelb in die Kartoffelpraline? zeigte. Ich übersetze mal: es ist kompliziert, aber genau deswegen geht man ja aus und genießt das Ergebnis, statt sich im Kleinklein der Küche zu verfitzeln.

Zum Start Lachsforellen als Gruß vom Amselsee

Statt des üblichen Grußes aus der Küche brachte Verena Leister zu Beginn des Abends einen Gruß vom Amselsee – quasi als kleinen Werbeblock für die Wanderrast am Amselsee, die sie zusammen mit Philipp betreibt. Allerdings hatten wir nicht die dort sehr beliebten Pommes mit Trüffel-Mayonnaise und Parmesan, sondern quasi den Beifang der Imbiss-Station: Philipp züchtet dort auch Lachsforellen – und die eignen sich natürlich hervorragend für einen doppelten Löffelgruß! Zum einen war das eine geräucherte Lachsforelle mit Meerrettich, Gewürzgurke und Mango und zum anderen war die Lachsforellen gebeizt mit  Chilimayo, Crunch und Kresse. Prima Einstimmung, nicht nur aufs ganze Menü, sondern auch besonders auf den ersten Teil, der mit Austern und Thunfisch weiter Köstliches aus dem Wasser versprach. Die Gillardeau-Austern – Philipp hatte sie beim Eintreffen der Gäste frisch (und unfallfrei) geknackt, schlüften sich nicht pur, sondern aromatisiert und damit jeweils um einen Kick spannender. Dass es dazu Champagner von Bonnet-Ponson aus der Magnumflasche gab, war übrigens auch in Sachen Weinbegleitung ein Zeichen, dass an diesem Abend nicht gekleckert, sondern charmant geklotzt werden sollte.

Was prickelnd begann, setzte sich über handwerklich gemachte Weine aus Südtirol, Sachsen und dem Piemont fort und fand seinen Abschluss in einem zehn Jahre alten Tawny Port von Niepoort. Für die Weinmoderation hatte sich das Team – zu dem neben Verena und Philipp auch Johanna im Service gehörte – etwas Besonderes einfallen lassen: es wurden eigens aufgenommene kurze Videoclips der Winzer eingespielt, in denen sie die Weine kurz vorstellten. Eine tolle Idee (und ein sehr sinnvoller Einsatz des großen Monitors nebst Soundsystem)! Falls jemand nach dem Lieblingswein fragt: es gab keinen, denn sie waren stimmig ausgewählt. Aber wenn nur einer, dann vielleicht den ganzen Abend den Champagner (plus den Niepoort zum Dessert)…

Als Hauptgang ein hundert Jahre alter Klassiker

Ähnlich schwierig fällt die Antwort bei den Speisen aus, von denen eigentlich jeder Gang etwas Erinnerungswürdiges hatte, und das macht's doch aus, wenn einem noch Tage später der Geschmack in Erinnerung das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Also lobe ich das Wasabisorbet und versuche die Idee für eigenes Thunfisch-Tatar nachzumachen (wohl ahnend, dass das nicht so subtil wird), also bleibt das Eigelb in der Kartoffelpraline, also bleibt die Zartheit des Kalbsbäckchens haften. Nur beim Filet Wellington – da schweifen die Gedanken länger. Denn wo bekommt man denn noch diesen über hundert Jahre alten Klassiker? Wer macht sich noch die Mühe, das Filet mit einem Pürre aus Pilzen und Spinat zu ummanteln, dann in Blätterteig zu hüllen und im Ofen auf den Punkt genau zu garen? Wer traut sich zu, dem durch diese Technik ja saucenfreien Gericht gleich zwei passende Zusatzgeschmäcker mitzugeben: eine sehr konzentrierte Rotweinjus (wurde auf Wunsch nachgereicht –die Frau sammelt Pluspunkte, wo es nur geht!) und eine an Sauce Bernaise erinnernde Estragon-Emulsion, die sich vom Saucenklassiker vor allem durch die Leichtigkeit unterschied. Also: ein Menü zum Reinsetzen. Aber sowas macht man ja nicht…

Menü

Zwei Löffel vorab

Austernduett
- Wodka | Apfel | Sellerie | Creme Fraiche
- Passionsfrucht | Limette | Jalapeño

Thunfisch | Avocado | Algencracker | Harissa | Wasabisorbet

Kartoffelpraline | Trüffel & Eigelb | Steinpilzsoße

Kalbsbäckchen | Brioche-Espuma | Tapioka

Filet Wellington
Estragon-Emulsion | Pastinakenpüree | Rotweinjus

Himbeer-Trilogie
Crème Brûlée | Himbeergel | geeiste Himbeere | Himbeercrunch

Löffel
Schokolade trifft Pistazie

Weinbegleitung

Champagne Bonnet-Ponson – Cuvée perpétuelle Inédite
Non Dosé · 1er Cru · MAGNUM, Frankreich · Champagne

SUMM Vino Bianco 2022
Thomas Niedermayr · Südtirol · Italien

Weissburgunder-Chardonnay Sachsen trocken 2024
Weingut Schuh · Sachsen · Deutschland

Barbera d'Alba Superiore DOC 2023
Podere Gagliassi · Piemont · Italien

Barolo DOCG 2021
Podere Gagliassi · Piemont · Italien

10 Years Old Tawny Port DOC Vinho do Porto
Niepoort · Porto · Portugal

Info

Menü inkl. Weinbegleitung oder alkoholfreier Getränkebegleitung und Wasser 189 €

Verena Leister Foodlab | Dinnertable | Lounge 

Robert-Matzke-Straße 52

01127 Dresden

Tel. 0151-41639966
verenaleister.de

[Besucht am 21. Februar 2026]