Champagner? Aber gerne doch! Aber nicht nur vorneweg, sondern am liebsten zum ganzen Menü! Ob das geht? Na und ob das geht: Im Stresa haben sie's jetzt vorgemacht – wenn auch als Ausnahme nur an einem Abend während der Kochsternstunden. Nach dem normal vorgesehenen Champagne Charles Heidsieck Brut Reserve als Apero folgten vier weitere Champagner, alle aus dem gleichen Haus. Rouven Krüger, Verkaufsleiter beim deutschen Importeur Eggerssohn in Bremen, stellte die Champagner an diesem Galaabend (Preis für Menü inkl. der Champagner: 195 €) vor – mit "hanseatischen Gelassenheit und beständig guter Laune", wie es auf der Webseite von Eggerssohn so trefflich beschrieben ist.
Nun ist es ja immer noch so, dass man zwar einerseits immer Champagner trinken könnte, es andererseits aber dann doch lieber nur zu besonderen Anlässen macht. So ein Anlass ergibt sich im Stresa immer am Anfang der Kochsternstunden, denn am 16. Februar 2013 hat das Stresa zum ersten Mal die Tür geöffnet, seitdem kann man (dem etwas holprigen Spruch folgend) in Striesen genießen (hier die Eindrücke meines ersten Besuchs). Einen gar nicht mal so kleinen Coup landete Inhaber Sebastian Böhme, der als Gastgeber natürlich mit durch den Abend führte und die Menü-Gänge vorstellte, als er im vergangenen Jahr Tobias Heldt als Küchenchef einstellte. Der bringt nämlich Erfahrung aus allerbesten Küchen mit, hatte zuletzt vor dem Umzug nach Striesen fürs Juwel in Kirschau selbst einen Stern erkocht. Ob er wieder einen haben will? Welcher Koch will das nicht – es gab schon mal, wie im oberen Fine-Dining-Segment üblich, diverse Grüße aus der Küche – zum Ankommen (allerbeste Auster!) und vorm Nach-Hause-Gehen (lustige Form, überraschender Geschmack).
Wer einmal Sterneluft geschnuppert hat (bzw. für diese Luft selbst verantwortlich war), kann ja gar nicht anders als pointiert und charaktervoll kochen. Und so war dann das Menü, das das kleine Team (vier Leute) aus der für ambitioniertes Kochen sehr kleinen Küche (14 Quadratmeter!), auch eins, das immer wieder merkenswerte Momente schuf. Die meisten hingen – natürlich – mit dem Geschmack zusammen, aber nicht nur Instagrammer werden die optisch immer sehr ausgeklügelt angerichteten Teller (farbenfroh, ohne ChiChi) bemerkt haben. Aber dann erfuhren wir so ganz nebenbei bei einer Ansage von Sebastian Böhme noch, dass "der Tobi der Murmelkönig" sei, denn zur geräucherten Entenbrust gab's in der Tat unter anderem Misomurmeln. Natürlich nicht nur, sondern auch ein Misogel sowie Kumquat als Gel und eingelegt. Geschmeckt hat das alles, es war das perfekte Gesamtbild im Gaumen (was, zugegeben ein schlechtes Bild ist, sieht ja keiner hinein in den Mundraum Aber es passte wirklich trefflich zusammen). Aber im Kopf blieben nur die Misomurmeln vom Kugelkönig…
Der Lieblingsgang: Entenbrust
Die Entenbrust war – Misomurmel hin, Kugelkönig her – übrigens einer von zwei Lieblingsgängen. Der andere –vielleicht ein My weiter vorne in der persönlichen Hitliste – war die Spicy Beef Consommé mit Dim Sum und Sellerie. Auch weil eine gute Consommé zwar eher aussieht wie das geht doch sehr einfach, in Wirklichkeit aber schon etwas aufwändiger in der Herstellung ist. Wer macht das denn noch? Aber wer traut sich dann auch noch, diesem hochwürzigen Konzentrat (ich höre schon einige sagen: eine Geschmacksexplosion!) einen feinen Hauch von spürbarer Schärfe hinzuzugeben. Klasse! Und schön zu sehen, dass der Champagner dazu prima passte – nicht nur, weil Schampus immer geht, sondern weil er die leichte Schärfe pufferte. Die im Standardmenü dazu empfohlenen Weine hätten mir auch gefallen und ganz sicher Vergnügen bereitet, aber bei uns perlte an diesem Abend ein Rosé Reserve.
Der Lieblings-Champagner: Rosé Reserve
Das war, passend zum Lieblingsgang, auch der Lieblings-Champagner. Denn nicht alles, was Rosé heißt, muss zwangsläufig einfach-beliebig sein – im Gegenteil. Natürlich gilt auch hier: von nix kommt nix, also wagen wir mal einen kleinen Ausflug in die Herstellung. Drei Rebsorten stecken hinter dieser Cuvee – zwei rote und eine weiße 40% Pinot Noir, 35% Chardonnay, 25% Pinot Meunier. Pinot Noir kennen wir als Spätburgunder, Pinot Meunier kennt man in Deutschland kaum – aber wenn, dann als Müllerrebe oder eher als Schwarzriesling (vor allem in Württemberg!). Der weiße Brut Reserve wird übrigens aus dem gleichen Rebsortenmix hergestellt, aber in anderen Mengenverhältnissen und eben weiß gekeltert – aber das wäre ein anderes Kapitel. Was die beiden Reserves besonders macht: neben dem aktuellen Jahrgang kommt auch immer ein bestimmter Anteil von Grundweinen älteren Datums hinein. Beim Rosé sind es 33% Réserve-Weine mit einem durchschnittlichen Alter von 5 Jahren. Die Besonderheit: es sind Trauben aus verschiedenen Gegenden, also auch von unterschiedlichen Böden. Der Mix macht's, dieser Rose war komplex und dicht (und Dank einer Dosage von 9 g/L auch recht trinkfreudig). Die schnelle Nummer sind diese Reserve-Champagner natürlich auch nicht: sie liegen in den Kreidekellern lange auf der Feinhefe – mindestens 36 Monate, auf unserer Flasche las ich: eingelagert 2020, degorgiert 2024. Was nicht drauf stand: Getrunken 2026 – aber die könnte man getrost noch ein wenig länger liegen lassen.
Menü
- Geräucherte Entenbrust von Feinkost Müller
Kürbis | Miso | Kumquat - Spicy Beef Consommé
Dim Sum | Sellerie - Gebratenes Loin vom Skrei
Black Tiger Garnele | Krustentier-Risotto | Fenchel | Datteltomate | Beurre blanc - Rosa Filet und geschmortes Bäckchen vom Angus-Rind
Spitzkohl | Kartoffel | Rosa Ingwer | Tagetes - 36 Monate gereifter Comté AOC
Apfel | Haselnuss | Stresas Früchtebrot - Cheesecake 2.0
Butterkeks | Karamell | Grapefruit | Vanille
Getränkebegleitung Champagnerabend
- Champagne Charles Heidsieck Brut Reserve
- Champagne Charles Heidsieck Rosé Reserve
- Champagne Charles Heidsieck Blanc de Blancs
- Champagne Charles Heidsieck Brut Millésimé 2018
- Champagne Charles Heidsieck Rosé Millésimé 2018
Getränkebegleitung normal
- Champagne Charles Heidsieck Brut Reserve
- Sake
Premium Sake 100 % aus Yamadanishiki Reis
ODER
2024er Grauburgunder Studier | Pfalz | Deutschland - 2022er Rotschiefer Riesling Kabinett Van Volxem | Mosel | Deutschland
ODER
2024er Grüner Veltliner Jurtschitsch | Langenlois | Österreich - 2024er Chablis AOC Château de Chemilly | Burgund | Frankreich
ODER
2024er Niersteiner Weißer Burgunder Weingut Gröhl | Rheinhessen | Deutschland - 2024er Jongieux Mondeuse Carrel & Senger | Savoie | Frankreich
ODER
2017er Weißer Burgunder II Von Winning | Pfalz | Deutschland - Tawny Port aus 4,5 l Flasche
- 2024er Pinot Noir Rosé Eiswein, Weingut Hirsch | Württemberg | Deutschland
Info
- 3 Gänge: 59,00 € (Vorspeise oder Suppe | Zwischengang oder Hauptgang | Dessert oder Käse)
- 4 Gänge: 75,00 € (Vorspeise oder Suppe | Zwischengang | Hauptgang | Dessert oder Käse)
- 5 Gänge: 89,00 € (Vorspeise | Suppe | Zwischengang | Hauptgang | Dessert oder Käse)
- 6 Gänge: 105,00 € Passende Getränkebegleitung: 9 € je Gang (mit Alkohol oder alkoholfrei möglich)
Restaurant Stresa
Augsburger Straße 85
01277 Dresden
Tel.: 0351 - 656 157 30
restaurant-stresa.de
[Besucht am 7. Februar 2026]