Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hat der Landesfrauenrat vor den Folgen der Corona-Maßnahmen auf Opfer häuslicher Gewalt gewarnt. Schon im vergangenen Lockdown seien die gemeldeten Zahlen leicht erhöht gewesen, wenn auch nicht so sehr wie erwartet, sagte die Vorsitzende Susanne Köhler. «Dennoch gehen wir fest davon aus, dass die Dunkelziffer noch höher sein dürfte als in normalen Zeiten.»
Frauen hätten wegen der Corona-Regeln viel weniger Gelegenheiten gehabt, das Haus zu verlassen und sich Hilfe zu suchen, sagte Köhler. «Wenn der gewalttätige Mann im Homeoffice sitzt, können sie nebenbei keine Hilfe rufen.» Das beschäftige sie auch jetzt wieder. «Aktuell sind zum Beispiel Kita und Schulen noch offen, wo Gewaltfälle auffallen können. Die Frage ist nur: Wie lange noch?»
In ihrem Beruf als Familienanwältin habe sie im Lockdown zudem viele Probleme bei Gerichtsverfahren bemerkt, sagte Köhler. Gerichte und Jugendämter hätten in der ersten Welle bis Mai 2020 kaum Termine angesetzt und es habe viel länger als gewöhnlich gedauert, bis Entscheidungen etwa zu Annäherungsverboten gefallen seien. «Das ist dramatisch, weil Gewaltbetroffene meist lange zögern, bis sie sich wehren. Wenn sie sich dann entschieden haben, sollte es schnell gehen und umfassender Schutz erreicht werden können. Das betrifft dann auch die Kinder.»