Der Sächsische Flüchtlingsrat hat mangelnde Empathie für Schutzsuchende beklagt, die derzeit vermehrt über die Grenze von Belarus und Polen nach Deutschland kommen. Das betrifft vor allem Menschen aus dem Irak und Syrien. «Der lebensgefährliche Alltag zweier zerstörter Länder scheint - wie die Katastrophe in Afghanistan - abgehandelt, das Bedürfnis der Unterstützung von konfliktgeplagten Menschen gerät in den Hintergrund», erklärte Dave Schmidtke vom Flüchtlingsrat am Freitag in Dresden.
Fokus der Debatte sollte sein, wie man den Menschen schnell helfen kann und dass an der polnischen Grenze mit «Pushbacks und gewalttätigen Übergriffen gerade massiv europäisches wie internationales Recht gebrochen wird». «Wie oft tatsächlich Menschen aus der EU geprügelt oder dem Tod überlassen werden, ist gar nicht abschätzbar», betonte Schmidtke. Denn die polnische Regierung verwehre Pressevertretern und Nichtregierungsorganisationen den Zugang ins Grenzgebiet zu Belarus.
In den vergangenen Tagen hatten sich Meldungen gehäuft, wonach immer mehr Flüchtlinge über Belarus und Polen nach Deutschland kommen. Nach Angaben der Bundespolizei betraf das allein im sächsischen Teil der deutsch-polnischen Grenze im August und September 750 Menschen und damit viel mehr als in den Monaten zuvor. «Sie berichten davon, dass Kräfte des polnischen Grenzschutzes Gewalt gegen Flüchtende einsetzen, illegale Pushbacks betreiben und Menschen nachts erfrieren», teilte der Flüchtlingsrat mit.