Eine umfassende Erhebung des Instituts STEM, die im Oktober 2025 im Auftrag der Vertretung der Europäischen Kommission in Tschechien durchgeführt wurde, zeichnet ein differenziertes Bild der öffentlichen Meinung zur EU. Die Studie bestätigt, dass bürokratische Hürden und Regulierungsdichte nach wie vor als das größte Hemmnis für das wirtschaftliche Wachstum angesehen werden. Das teilte Tschechien.News mit.
Unter den befragten Bürgern gilt die Trägheit europäischer Entscheidungsprozesse zusammen mit der administrativen Belastung als das drängendste Problem. Viele Kommentatoren sehen in der Kritik nicht selten weniger Ablehnung der Idee Europa, sondern Forderungen nach effizienterem Handeln: Probleme werden benannt, weil die EU besser funktionieren soll.
Geringe Zustimmung zum Euro
Die Umfrage belegt zudem, dass die Zustimmung zur Einführung des Euro in Tschechien weiterhin niedrig bleibt. Ökonomische Argumente, aber auch Identitätsfragen spielen hierbei eine Rolle. Konkrete Zahlen zur Währungsfrage nennt die Erhebung nicht im Detail, doch die Tendenz ist klar: Der Euro hat in der tschechischen Bevölkerung keinen durchgängigen Rückhalt.
Die jüngsten Parlamentswahlen haben die Stimmungslage merklich verändert. Vor allem pro-europäische Gruppierungen konnten zulegen. Analysten führen diesen Effekt auf einen vergleichsweise wenig konfliktbeladenen Wahlkampf zurück, der moderate Positionen gestärkt hat und radikale Anti-EU-Positionen geschwächt erscheinen ließ. Bemerkenswert ist ein Auseinanderfallen von Identifikation und konkreter Zustimmung: Rund 70 % der Befragten identifizieren sich als Europäer. Für den Verbleib in der EU würden jedoch etwa sieben Prozentpunkte weniger stimmen, und die Zufriedenheit mit der Mitgliedschaft liegt nochmals etwa zehn Prozentpunkte darunter. Das zeigt, dass Zugehörigkeitsgefühl und Bewertung der Institutionen nicht deckungsgleich sind.
Rückgang der EU-Skepsis
Der Anteil der EU-Skeptiker in Tschechien ist in den letzten Jahren dennoch zurückgegangen und bewegt sich wieder auf dem Niveau von 2019, einer Periode, in der die Wirtschaft noch stärker florierte. Die wachsende Bereitschaft, in der Union zu bleiben, deutet auf eine breitere Zustimmung zur Mitgliedschaft hin, auch wenn die Kritik oft in Detailfragen bleibt. Trotz des allgemeinen Stimmungszuwachses bleibt die Öffentlichkeit kritisch. Viele Befürworter äußern gezielte Kritik mit dem Ziel, die EU zu verbessern, während Skeptiker den gesamten Zweck des Projekts hinterfragen. Diese Ambivalenz macht politische Prognosen schwierig: Zustimmung kann ebenso rasch wieder schwinden, wie sie gewachsen ist.
„Es ist wichtig zu bedenken, dass sich die Politik der neuen Regierung und ihr Verhältnis zur EU erst noch herausbilden wird. Wie stark die Regierung die EU kritisiert oder in Konflikt mit europäischen Institutionen gerät, wird entscheidend dafür sein, ob das pro-europäische Stimmungsplus nur vorübergehend ist“, erklärt STEM-Analyst Martin Kratochvíl. Damit rückt die Rolle der Exekutive in den Fokus der Debatte.