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Sparkassenstiftung: Förderung für Umgang mit DDR-Kunst

33 Jahre nach dem Mauerfall diskutieren Fachleute in Neubrandenburg über einen differenzierteren Umgang mit DDR-Kunst. Dazu gehören auch Debatten um Denkmäler für Marx, Lenin und revolutionäre Matrosen.

Denkmalschützer und Kommunen in Ostdeutschland können beim Schutz von Kunst aus DDR-Zeiten auf die Hilfe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (Berlin) bauen. Wie Geschäftsführerin Patricia Werner am Mittwoch in Neubrandenburg sagte, wird die Stiftung die differenzierte Auseinandersetzung mit Denkmälern und Kunst zwischen 1949 bis 1990 weiter fördern. «Die Beurteilung dieser Kunst hat sich gewandelt», sagte Werner vor knapp 70 Teilnehmern der Konferenz «Drinnen und draußen - Kunst im Norden der DDR».

«Wir haben Abstand gewonnen», sagte die Landeskonservatorin von Mecklenburg-Vorpommern, Ramona Dornbusch. Es sei aber höchste Zeit, sich um die Arbeiten zu kümmern, denn nach 30 Jahren hätten viele Kunstwerke im Freien, wie Giebel an Hochhäusern, großen Instandhaltungsbedarf. Einige Kunstwerke seien bei Wärmedämmungen und anderen Umbaumaßnahmen verschwunden. Die letzte Erfassung stamme vom Anfang der 1990er Jahre und sei nicht vollständig.

«Auch Auftragskunst aus der DDR-Zeit heißt nicht unbedingt, dass die Kunst schlecht sein muss», erklärte Jörg Kirchner vom Landesamt für Denkmalschutz MV. Als Beispiel führte er das Lenin-Denkmal in Schwerin an, das von einem estnischen Künstler geschaffen wurde. Es sei das letzte seiner Art in Ostdeutschland, das an alter Stelle stehe. «In den letzten 500 Jahren war fast alles Auftragskunst», argumentierte Kirchner. Das betreffe den Italiener Michelangelo ebenso wie den Komponisten Johann Sebastian Bach, der auch im Auftrag Musik komponiert habe.

Die Konferenz läuft drei Tage und soll eine Orientierung für den künftigen Umgang mit Kunst aus der sozialistischen DDR-Zeit geben. Teilnehmer kommen aus Kommunen, Museen, Kultureinrichtungen und der Architektur aus mehreren Bundesländern. Zugleich werden zwei Ausstellungen mit Gemälden von politischen DDR-Einrichtungen aus dem Kunstarchiv Beeskow und der 1982 gegründeten Kunstsammlung Neubrandenburg gezeigt. Sie war die letzte Museumsneugründung der DDR.

Im 1945 stark zerstörten und bis 1990 enorm ausgebauten Neubrandenburg sind laut Landesdenkmalamt Mecklenburg-Vorpommern rund 100 der landesweit 700 MV-Denkmäler der DDR-Zeit zu finden. Die Einwohnerzahl stieg von 27.000 auf 90.000. Die Hochschule Neubrandenburg war der letzte Hochschulbau der DDR und 1989 eröffnet worden. Auch der Tagungsort - das Haus der Kultur und Bildung - ist ein Denkmal. Für Schlagzeilen sorgte Streit um die Neuaufstellung der Bronzestatue des Philosophen Karl Marx (1818-1883), die vom Markt in einen Park am Rand des Zentrums verlegt wurde.

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