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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Ausstellung zeigt Brücke-Jahr 1910

«Mensch ärgere Dich nicht» kommt raus, Mahlers achte Sinfonie sorgt für Jubelstürme, Winzer beklagen eine Missernte - das Jahr 1910 wird für die Künstlergemeinschaft Brücke zu einer prägenden Zeit. Die Gruppe um Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff ist noch konzentriert auf Dresden, im Jahr darauf beginnt der Zerfall der Gemeinschaft mit einzelnen Umzügen nach Berlin. Das Berliner Brücke-Museum widmet sich mit der Ausstellung «1910: Brücke. Kunst und Leben» von Sonntag an bis zum 28. August dem künstlerischen Höhepunkt der von 1905 bis 1913 existierenden Gemeinschaft.

Die Ausstellung ist nach «1913: Die Brücke und Berlin» (2018) der zweite von drei Teilen einer Reihe zu zentralen Brücke-Jahren. Für 2024 ist «1905: Der Beginn» geplant. Zu sehen sind nun etwa 150 Werke von Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und Max Pechstein. Die Arbeiten gehören zum Bestand des Brücke-Museums, das über eine der wichtigsten Sammlungen mit Kunst des Expressionismus verfügt.

Zu den Höhepunkten zählen etwa Kirchners «Artistin» von 1910 oder Pechsteins «Das gelbschwarze Trikot». Diese Arbeit zeigt das Museum freistehend im Raum, was ein von Pechstein verworfenes Gemälde auf der Rückseite freigibt. Ein Hinweis auch auf die teils prekäre Finanzlage der Künstler, die mit vergleichsweise teuren Leinwänden, mitunter selbst mit Papier haushalten mussten.

Die Ausstellung widmet sich auch den berühmten Akten im Freien, die an den Moritzburger Teichen nahe Dresden entstanden. Die dort auch übliche Nacktheit bildete aus Sicht von Museumsdirektorin Lisa Marei Schmidt einen «geschützten Freiraum für die Künstler» und ihre Arbeiten.

In der Dresdner Galerie Arnold zeigten die Künstler gemeinsam ihre Arbeiten. «Man sieht ein Suchen, Zeitgenössisches, Gegenwärtiges zu seiner traditionsfreien Gestalt zu formen», schreibt ein Kritiker dazu. Auch der nachhaltige Einfluss der Arbeit van Goghs wird aufgezeigt, die Brücke-Künstler machen starke, ungebrochene Farben zu ihrem Markenzeichen.

Den Aufbruch im Namen Brücke - von einem zum neuen Ufer - macht die Ausstellung auch in der Auseinandersetzung mit der Berliner Secession um Impressionismus-Fürst Max Liebermann deutlich, der viele Arbeiten der Expressionisten ablehnte. Brücke-Künstler Pechstein dazu: «Die Geister prallten aufeinander und wir von der jungen Generation hatten unseren Spaß daran.»

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