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Veranstaltungsräume: Experiment zur Sicherheit vor Abschluss

Geräte zur Absorbtions- und Emissionseinrichtungen im Zuschauerraum der Oper. / Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Geräte zur Absorbtions- und Emissionseinrichtungen im Zuschauerraum der Oper. / Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

2020 sorgte ein Konzert-Experiment in Leipzig mit dem Popsänger Tim Bendzko für Aufsehen. Ein Folgeprojekt nähert sich dem Ende zu. Es geht um die Sicherheit von Veranstaltungsräumen auch nach der Pandemie.

Ob eine Arena für Musik- und Sportevents mit Tausenden Zuschauern, ein Opern- und Musicaltheater oder eine kleine Puppenbühne: Das wissenschaftliches Experiment «Restart 2.0» unter Leitung von Universitätsmedizinern aus Halle nähert sich dem Ende. Es hatte im Oktober 2021 mit Messungen im Puppentheater Halle begonnen, ohne Zuschauer. Den Wissenschaftlern geht es um die Frage, wie Räume künftig nach einheitlichen Kriterien bewertet werden können, ob sie aus Infektionsschutzsicht sicher sind oder nicht. In der Oper Halle wurden nun Messungen in der Raumluft vorgenommen - als einem der letzten von insgesamt zehn Orten des Experiments in Deutschland.

Im großen, hohen Saal des Opernhauses, der zwei Ränge hat, wurden über mehrere Stunden hinweg Aerosolkonzentrationen mittels spezieller Technik ermittelt. Für das Experiment verfolgten rund 250 Zuschauer eine Filmvorführung. Die Daten wurden sowohl anhand der Atemluft anonym als auch Daten aufgrund der zugeführten Luft des Raumes erhoben. Im Kern geht es bei «Restart 2.0» um den Schutz vor Virusinfektionen.

«Wie können Räume so gestaltet werden, dass wir vorbereitet sind auch auf künftige Fälle», sagte der Infektiologe Stefan Moritz. Mediziner und Techniker setzen dafür nach eigenen Angaben neue Methoden zur Untersuchung der Strömungsverhältnisse in der Raumluft ein. Die Ergebnisse sollen bei der Planung von Veranstaltungen und somit auch schon beim den Bau von neuen Gebäuden helfen. «Denn das Coronavirus wird uns erhalten bleiben, in welcher Form auch immer. Außerdem haben wir andere Viren, zum Beispiel Influenza, die ansteckend sind», sagte der Infektiologe zur Aktualität der wissenschaftlichen Arbeit.

Hintergrund ist, dass die Bestimmungen und Maßnahmen von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die vor gut zwei Jahren ausgebrochen war, zwischenzeitlich aufgehoben oder geändert wurden. Die Ergebnisse von «Restart 2.0» sollen laut Moritz im Sommer vorliegen, um sie dann zum Beispiel mit Experten des Umweltbundesamtes (UBA) zu diskutieren. «Denn eins ist sicher, die nächste Pandemie kommt bestimmt», sagte Moritz.

Dem Experiment «Restart 2.0», an dem Fachleute der Technischen Universität (TU) Berlin und der Charité Universitätsmedizin beteiligt sind, ging das viel beachtetes Konzert-Experiment «Restart-19» mit dem Sänger Tim Bendzko 2020 in Leipzig und 4000 freiwilligen Teilnehmern voraus.

Die wissenschaftlichen Luftmessungen und Simulationen per Computer hatten unterm Strich ergeben, dass große Kultur- und Sportveranstaltungen in Hallen auch während einer Pandemie möglich sind. Allerdings nur unter Bedingungen - mit weniger Zuschauern als sonst, einem adäquaten Belüftungssystem mit Frischluftzufuhr, strengen Hygiene- und Abstandsregeln, permanenter Maskenpflicht und Kontrollen, erklärte Moritz, Studienleiter der beiden Restart-Projekte und Leiter der Klinischen Infektiologie an der Universitätsmedizin Halle.

Bei Restart 2.0 deute sich nach den bisherigen Ergebnissen an: «Je besser die Belüftung, desto geringer das Ansteckungsrisiko», sagte Moritz. Ziel sei es aber, einheitliche Kriterien für ein Bewertungssystem für die Sicherheit von Veranstaltungen bei voller Platzkapazität zu entwickeln, also auch bei Tausenden von Zuschauern, oder in kleinen Räumen. «Restart 2.0» wird den Angaben zufolge knapp zur Hälfte mit 300.000 Euro vom Wissenschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, mit 150.000 Euro vom Bund und rund 200.000 Euro Eigenmitteln der TU Berlin gefördert.

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