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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Krankenhausgesellschaft sieht noch Spielraum bis zur Triage

Eine Pflegekraft steht auf einer Intensivstation in einem Zimmer und bedient eine Herz-Lungen-Maschine. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild
Eine Pflegekraft steht auf einer Intensivstation in einem Zimmer und bedient eine Herz-Lungen-Maschine. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen (KHG) sieht noch Spielraum bis zu einer möglichen Anwendung coronabedingter Triage in den Krankenhäusern des Freistaates. Unmittelbar stelle sich diese Frage noch nicht, sagte Friedrich R. München, stellvertretender Geschäftsführer der KHG, auf Anfrage. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. Wegen der stark gestiegenen Corona-Zahlen in Sachsen nimmt die Belastung der Krankenhäuser immer mehr zu.

Nach Darstellung von München befinde man sich derzeit noch in der Phase, Patienten zwischen den einzelnen Krankenhaus-Clustern sowie innerhalb des Kleeblattes mit den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu verlegen. Danach sei eine Verlegung etwa nach Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein eine Option: «Wenn das nicht mehr geht, haben wir ein Problem.»

München zufolge seien derzeit 1345 Intensivbetten in Sachsen mit Corona-Patienten und anderen Kranken belegt. Es gebe noch rund 170 freie Betten und eine Notfallreserve von 627 Betten. Bei dieser Reserve sei aber unklar, ob für alle Betten auch noch Personal zur Verfügung stehe. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien beispielsweise durch Quarantäne der Kinder nicht verfügbar. Man bitte deshalb das Gesundheitsministerium, eine Notbetreuung zu organisieren.

«Wir sind alarmiert, weil die Entwicklung sehr schnell verläuft», sagte München. Bei einer weiteren Verschärfung der Situation sei nicht ausgeschlossen, dass es dann zu einer Priorisierung in den Krankenhäusern kommt. In einem Punkt gebe es das schon heute: Aufschiebbare Operationen würden verschoben. Für den Fall einer Triage habe die Bundesärztekammer bereits in der ersten Phase der Pandemie 2020 eine Orientierungshilfe gegeben.

«Es sind stets einzelfallbezogene Entscheidungen nach dem Prinzip der Gerechtigkeit auf der Basis von transparenten sowie ethisch und medizinisch-fachlich begründeten Kriterien geboten. Entscheidungen dürfen nicht schematisiert oder anhand von starren Algorithmen getroffen werden», heißt es in dem Papier. Im Falle notwendiger Priorisierungsentscheidungen bei nicht ausreichenden Ressourcen sollten diese so eingesetzt werden, dass «die Erfolgsaussichten mit Blick auf das Überleben und die Gesamtprognose möglichst groß sind und die meisten Menschenleben gerettet werden können».

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH