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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Die Corona-Krise in Sachsen: Ein ABC

Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts gehen über den Dresdner Neumarkt. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts gehen über den Dresdner Neumarkt. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Vor gut einem Jahr gab es den ersten nachgewiesenen Corona-Fall im Freistaat. Seither fordert die Krise die Sachsen. Worte und Begriffe beherrschen den Alltag, die vorher kaum jemand kannte.

Seit dem ersten nachgewiesenen Corona-Fall in Sachsen am 2. März 2020 ist fast ein Jahr vergangen. Das Leben im Freistaat hat sich seither tiefgreifend verändert und bisher nicht gekannte und kaum vorstellbare Regeln gelten. Im zweiten Lockdown haben immer noch viele Läden geschlossen, Kitas und Schulen sind weit entfernt von einem Alltag wie früher. Auch Worte und Begriffe dominieren den Alltag, die vor einem Jahr keine Bedeutung hatten. Wer etwa hätte bei dem Wort «AHA» an Hygieneregeln gedacht?

A wie Abstand: Früher galten Anstandsregeln, nun heißt es Abstand halten. Fehlender Abstand an der Supermarktkasse wird auch schnell als fehlender Anstand gewertet.

B wie Böllerverbot: Seit Jahren zum Umwelt- und Tierschutz diskutiert, doch erst wegen Corona umgesetzt - zumindest teilweise. Ein Verkaufsverbot für Pyrotechnik galt im Dezember 2020 bundesweit, ein Böllerverbot erließen verschiedene Kommunen wie Dresden und Chemnitz.

C wie Click & Collect: Einkaufsmöglichkeit im Lockdown. Nur Sachsen erlaubte das als einziges Bundesland lange nicht. Erst seit Mitte Februar ist Bestellen und Abholen auch im Freistaat möglich, nachdem der Handel lange darauf gedrungen hatte.

D wie Desinfektionsmittel: Vor allem zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 so begehrt wie nie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verachtfachte sich der Absatz zeitweise.

E wie Exponentielles Wachstum: Die große Angst in der Corona-Pandemie. Wenn sich die Infektionen exponentiell verbreiten, kommt es sehr schnell zu sehr hohen Ansteckungsraten. Als Bremse wurde auf die Lockdowns gesetzt.

F wie FFP2-Maske: Bis zum Beginn der Pandemie hauptsächlich medizinischem Personal und ein paar Handwerkern bekannt. Inzwischen, neben medizinischen Masken, Pflicht beim Einkaufen und im Bus.

G wie Gesundheitsämter: Sie fanden sich plötzlich im Auge des Sturms wieder. Je besser sie Kontakte nachverfolgen können, desto besser ist die Pandemie unter Kontrolle. In Sachsen waren zeitweise hunderte Helfer der Bundeswehr im Einsatz, um die Ämtern zu unterstützen.

H wie Homeoffice: Vor der Pandemie in Deutschland nicht besonders verbreitet, inzwischen sogar Pflicht. Laut einer Verordnung des Bundesarbeitsministeriums sollen Arbeitgeber Homeoffice ermöglichen, wenn die Umstände im Betrieb es zulassen.

I wie Impfzentren: Wurden in allen zehn Landkreisen und drei kreisfreien Städten in Sachsen eingerichtet. Sie sollten eigentlich schon im Dezember öffnen, doch wegen der Verzögerung bei der Impfstofflieferung wurde es Januar. Zuletzt wurde auch eine rollende Impfstation getestet, um mobil unterwegs sein zu können.

J wie Jogginghose: Passend zum Homeoffice heißt es für viele Beschäftigte: legere Kleidung statt Büro-Outfit. In der Videoschalte ist die Jogginghose eh nicht zu sehen. Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut sagt der «Jogge» eine gute Zukunft voraus: «Wir haben ein Jahr lang die pflegeleichteste und bequemste Kleidung, die es auf dem Markt gibt, getragen, und das werden wir auch nicht wieder aufgeben.»

K wie Krematorien: Die standen im Dezember vor allem in Sachsen im Fokus, weil es viel mehr Tote zur Einäscherung als sonst gab. Laut Statistischem Bundesamt gab es einen Höchststand in der Woche vom 21. Dezember an (KW 52). Es wurden 2434 Sterbefälle gezählt, mehr als doppelt so viele wie im Durchschnitt der Jahre 2016-2019.

L wie Lernsax: Sächsische Lernplattform für Schülerinnen und Schüler beim Homeschooling. Machte in beiden Lockdowns technische Probleme.

M wie «Merkel-Runde»: Die Zusammentreffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder. Dort wird versucht, eine einheitliche Linie der Pandemiebekämpfung zu finden. Doch am Ende entscheiden die Länder über die Corona-Maßnahmen.

N wie Nudeln: Zusammen mit Mehl und Klopapier das Must-have im ersten Lockdown und Teil des MNK-Index (Mehl-Nudeln-Klopapier). Gibt es davon in den Geschäften Lücken, geht die Hamsterei erst richtig los.

O wie Operationen, nicht notfallmäßige: Sind wegen der Pandemie reihenweise zurückgestellt worden, weil die Krankenhäuser in den Corona-Modus schalten mussten. Gesundheitsexperten befürchten, dass wegen der Pandemie andere Probleme verschleppt werden könnten.

P wie Pandemie: Am 31. Dezember 2019 wurde die Weltgesundheitsorganisation WHO über Fälle von Lungenentzündungen im chinesischen Wuhan informiert. 30. Januar 2020 wurde die höchste Warnstufe der WHO ausgerufen. Seit dem 11. März 2020 ist der Ausbruch offiziell als Pandemie eingestuft.

Q wie «Querdenken»: Bundesweite Bewegung, die in Stuttgart ihre Anfänge hatte. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung der wegen Corona eingeschränkten Grundrechte. «Querdenken»-Demonstrationen zogen viel Kritik auf sich. Auch Leipzig wurde Schauplatz einer sehr großen Demo: Am 7. November, als die zweite Welle schon längst hochschwappte, kamen laut Polizei mindestens 20 000 Menschen.

R wie Reproduktionszahl: Vor der Pandemie weithin unbekannt, jetzt ständig in den Nachrichten. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Ziel der Pandemie-Bekämpfung ist es, den R-Wert konstant unter 1 zu halten.

S wie Sieben-Tage-Inzidenz: Weitere Kennzahl für die Beurteilung des Pandemie-Verlaufs. Sie gibt die Rate der Neuansteckungen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen an. Das Infektionsschutzgesetz definiert Grenzwerte von 35 und 50, von denen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung abhängen. Sachsen galt bundesweit lange als Hotspot, teilweise lag die Inzidenz im Freistaat höher als 400.

T wie Todesfälle: Seit Beginn der Pandemie wurden in Sachsen mehr als 7500 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 registriert. Das hat Einfluss auf die sogenannte Übersterblichkeit: In Sachsen sind etwa bis Mitte Januar im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich mehr Menschen gestorben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts starben in der zweiten Januarwoche - der letzten Woche, für die auf Länderebene aktuelle Hochrechnungen vorliegen - insgesamt 1822 Menschen: Das sind 54 Prozent mehr Todesfälle als im Vergleichszeitraum in den vier vorangegangenen Jahren.

U wie Urlaub: Umstrittenes Thema. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hat Urlaubsreisen zu Ostern bereits eine Absage erteilt. Andere Länderchefs äußern sich weniger strikt. In Sachsen-Anhalt hält Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) Osterurlaub im eigenen Bundesland für denkbar.

Ü wie Überbrückungshilfe: Eine der verschiedenen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen im Lockdown. In Sachsen wurden laut Wirtschaftsministerium von den beantragten Novemberhilfen bisher 84 Prozent ausgezahlt, von den Dezemberhilfen waren es 65 Prozent. Berufsverbände kritisieren die Antragsmodalitäten als viel zu kompliziert und die Auszahlung als zu schleppend.

V wie Virus-Varianten: Die neuen Coronavirus-Varianten breiten sich auch in Sachsen aus, vor allem die als ansteckender geltende britische Mutation B.1.1.7. Betroffen sind unter anderem der Erzgebirgskreis und das Vogtland.

W wie Wechselunterricht: Im ersten Lockdown auch in Sachsen genutztes Mittel, um Unterricht in der Schule wieder zu ermöglichen. Die Idee: Eine Klasse wird geteilt - die eine Hälfte lernt in der Schule, die andere angeleitet zu Hause. Das kann tage- oder wochenweise wechseln. Für ältere Schüler könnte es diese Möglichkeit im März erneut geben.

X wie Xenophobie: Menschen mit asiatischem Aussehen waren als vermeintliches Infektionsrisiko vor allem in der ersten Welle Anfeindungen ausgesetzt - auch wenn sie China noch nie betreten hatten.

Y wie Yoga: Yoga-Kurse wurden während des ersten Lockdowns genauso verboten wie Besuche im Fitness-Studio. Aber Yoga wurde gleichzeitig für viele zur letzten Chance auf etwas Bewegung nach stundenlanger Arbeit im Homeoffice - mit oder ohne Yoga-Trainer aus dem Youtube-Video.

Z wie Zoom: Einer der Gewinner der Corona-Krise. Der Videokonferenz-Dienst aus Kalifornien vervielfachte seinen Umsatz binnen eines Jahres von 166,6 Millionen Dollar auf gut 777 Millionen. Auch andere Video-Dienste wie MS-Teams ersetzen seit einem Jahr Konferenzen und Dienstreisen.

Destatis zum Absatz von Desinfektionsmitteln u.a.

Corona-Arbeitsschutzverordnung

Infektionssschutzgesetz

Destatis zu Sterbefallzahlen der Bundesländer

RKI zum R-Wert

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH