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Sachsen will mit neuer Kampagne Lehrkräfte gewinnen

Christian Piwarz (CDU), Kultusminister von Sachsen, spricht. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Christian Piwarz (CDU), Kultusminister von Sachsen, spricht. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Eine neue Kampagne der Landesregierung soll den Lehrermangel in Sachsen lindern. Unter dem Motto «LEHRERIN SACHSEN - eine Klasse für sich» sollen junge Menschen und Seiteneinsteiger künftig von dem Beruf überzeugt werden. «Wir müssen an die jungen Leute ran, wir müssen werben, wir müssen Emotionen wecken, wir müssen eine positive Grundstimmung schaffen», sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag in Dresden.

Zur Kampagne gehören eine Online-Plattform, Auftritte in sozialen Medien sowie Werbung etwa auf Bussen. Dabei sollen bewusst Emotionen bei jungen Menschen geweckt werden: In kurzen Clips berichten sächsische Lehrkräfte, wie sinnstiftend der Job für sie sei. Die Kampagne wurde von der Leipziger Kommunikationsagentur Pioneer Communications entwickelt. Sie ist auf zwei Jahre angelegt und soll 400.000 Euro pro Jahr kosten.

Schon jetzt studieren in Sachsen überdurchschnittlich viele Abiturienten auf Lehramt. Der Anteil liege bei 18 Prozent, deutschlandweit sei man bei etwa 10 Prozent, sagte Piwarz. «Das macht mir ein Stück weit auch Sorge. Wir müssen diesen hohen Schnitt halten, um unsere Bedarfe zu sichern.» Aus seiner Sicht müssten auch andere Bundesländer ihre Bemühungen verstärken.

In Sachsen gibt es insbesondere auf dem Land zu wenige Pädagogen. Zum neuen Schulhalbjahr im Februar wurden 719 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt worden, 81 Stellen blieben unbesetzt. Der Sächsische Lehrerverband mahnte in der vergangenen Woche, dass im Freistaat 3000 Kräfte sofort eingestellt werden müssten, um den Bedarf zu decken.

Dennoch kritisierte die Gewerkschaft den Aufschlag des Kultusministeriums am Donnerstag. Die Kampagne sei fernab jeglicher schulischer Realität, sagte der stellvertretende Vorsitzende Michael Jung. «Sie ist auch wenig geeignet, um mehr Lehrkräfte für die Bedarfsregionen und -schularten zu gewinnen. Statt schöner Worte und Bilder müssen wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels ergriffen werden.»

Auch aus Sicht der bildungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Luise Neuhaus-Wartenberg, kann eine Werbekampagne kaum helfen. «Der Freistaat sollte Lehrkräften Arbeitsbedingungen in Aussicht stellen, die nicht Überlastung, sondern Innovation und Freiheit erwarten lassen.»

Die SPD-Bildungspolitikerin Sabine Friedel sagte, dass es nur helfe, das Bildungsland Sachsen «umzukrempeln». «Schluss mit dem schulartspezifischen Studium, stattdessen endlich Ausbildung im Stufenlehramt für die Primar- und die Sekundarstufe.» Jahrgangsübergreifender Unterricht und Gemeinschaftsschulen seien Mittel der Effizienz, um die Bildungsqualität auch in Zeiten des Lehrermangels aufrechtzuerhalten.

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