Die Bilder vom Juli 2021 haben sich eingebrannt. Häuser, die im Wasser versanken. Autos, die wie Spielzeug durch die Straßen gespült wurden. 134 Menschen starben bei der Flutkatastrophe im Ahrtal. Viele fragten sich danach, ob so ein Extremereignis jemals wieder passieren könnte. Forschende der Universität Leipzig haben nun eine Antwort gefunden. Solche gewaltigen Fluten sind im Ahrtal keine Ausnahme, sondern wiederholen sich regelmäßig.
Ein Team um Prof. Dr. Christoph Zielhofer hat Bohrkerne aus dem Flussbett der Ahr untersucht. In diesen Bodenproben steckt die Geschichte des Flusses. Die Forschenden fanden Spuren von mindestens vier extremen Hochwassern in den vergangenen 1.500 Jahren. Neben der Katastrophe von 2021 waren das die bekannten Fluten von 1910 und 1804 sowie ein bisher unbekanntes Ereignis aus dem 5. Jahrhundert nach Christus. An der Studie beteiligt waren auch das Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO).
Vor allem im Sommer droht Gefahr
Die Forschenden haben auch historische Aufzeichnungen ausgewertet. Dr. Martin Bauch vom Leipniz-Institut GWZO hat dafür Dokumente bis ins Mittelalter zurück durchforstet. Sein Befund überrascht. „Das Auftreten der Extremhochwasser im Ahrtal zeigt keinen eindeutigen Zusammenhang mit der hydroklimatischen Geschichte Mitteleuropas", erklärt der Umwelthistoriker. Auffällig sei jedoch, dass die historisch belegten, extremen Hochwasserereignisse im Ahrtal insbesondere in den Sommermonaten auftreten.
Das hat einen physikalischen Grund. Im Sommer kann die Luft mehr Wasserdampf aufnehmen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für extreme Niederschläge. Die Studie wurde gerade in der Fachzeitschrift „Earth Surface Processes and Landforms" veröffentlicht. Sie zeigt, wie wichtig der Blick in die Vergangenheit für die Zukunft ist. Nur wer weiß, was früher geschah, kann besser einschätzen, was noch kommen könnte. Die Ergebnisse der Leipziger Forschenden ermöglichen eine Neubewertung solcher Hochwassergefahren.