In der Nähe von Johannesburg in Südafrika leben Tausende Familien umgeben von riesigen Abraumhalden. Die Hügel aus Gesteinsresten stammen aus 140 Jahren Goldabbau. Der Wind wirbelt täglich Staub auf, der in Häuser und Gärten weht. In diesem Staub steckt Uran, ein giftiges Schwermetall.Forschende vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) haben nun untersucht, wie sehr Kinder in diesen Gebieten belastet sind.
Die Wissenschaftler analysierten mehr als 400 Haarproben von Kindern. Das Ergebnis ist eindeutig: Kinder aus Bergbauregionen haben deutlich mehr Uran im Haar als Kinder aus Gegenden ohne Minen. „Die Halden befinden sich oft direkt in dicht besiedelten Wohngebieten. Es ist bekannt, dass giftige Substanzen in Staubpartikeln durch Wind, Boden und Wasser bis zu den Häusern transportiert werden, insbesondere in der Trockenzeit", erklärt Dr. Susanne Sachs vom Institut für Ressourcenökologie am HZDR.
Weitere Untersuchungen nötig
Die Studie zeigt: Je näher Kinder an den Abraumhalden leben, desto höher ist ihre Uranbelastung. Auch Geschlecht und Alter spielen eine Rolle. Das Witwatersrand-Becken rund um Johannesburg beherbergt die größten Goldvorkommen der Welt. Die Abraumhalden erstrecken sich über 400 Quadratkilometer. Sie enthalten nicht nur Uran, sondern auch Blei und Arsen. Menschen nehmen die Giftstoffe über Luft, Wasser, Boden und Lebensmittel auf, besonders über Gemüse und Getreide aus kontaminierten Gebieten.
Ob die gemessenen Werte zu Gesundheitsschäden führen, können die Forscher noch nicht sagen. Dafür wären weitere Studien nötig. Sachs betont jedoch die Bedeutung der Ergebnisse. „Die Studie trägt dazu bei, das Bewusstsein der Gemeinden zu schärfen, ohne unnötig Ängste zu schüren", sagt die Wissenschaftlerin. Die Messungen zeigen aber deutlich: Es braucht bessere Schutzmaßnahmen für die Menschen vor Ort. An dem internationalen Projekt waren neben dem HZDR auch der VKTA, die Wismut GmbH und mehrere südafrikanische Universitäten beteiligt. Die Forschenden sehen ihre Arbeit als wichtigen Schritt, um betroffene Gemeinden besser zu schützen.