loading

Nachrichten werden geladen...

Premiere in Deutschland: Nieren reisen mit Hightech-Versorgung

Für die maschinelle Perfusion nutzt die Deutsche Stiftung Organtransplantation spezielle Transport-Geräte. Zwei davon kamen bei der Nierentransplantationen am UKL zum Einsatz. © UKL
Für die maschinelle Perfusion nutzt die Deutsche Stiftung Organtransplantation spezielle Transport-Geräte. Zwei davon kamen bei der Nierentransplantationen am UKL zum Einsatz. © UKL

Als erste Klinik in Deutschland setzt das Universitätsklinikum Leipzig die sogenannte maschinelle Perfusion bei einer Nierentransplantation ein. Organe werden dadurch während des Transports kontinuierlich versorgt.

Über 7.000 Menschen warten in Deutschland auf eine Spenderniere. Die Wartezeit beträgt oft mehrere Jahre. Umso wichtiger ist es, dass jedes gespendete Organ in bestmöglichem Zustand beim Empfänger ankommt. Das Universitätsklinikum Leipzig hat dafür jetzt als erste Klinik in Deutschland eine neue Methode eingesetzt.

Einen Tag nach Inkrafttreten der überarbeiteten Richtlinie der Bundesärztekammer führten Ärzte jetzt am UKL zwei Nierentransplantationen durch. Dabei nutzten sie erstmals die sogenannte maschinelle Perfusion. Eine Frau und ein Mann erhielten die Nieren eines über 70-jährigen Spenders.

Organe reisen unter ständiger Versorgung

Bisher werden Spenderorgane nach der Entnahme gekühlt und auf Eis transportiert. Bei der maschinellen Perfusion läuft das anders. Ein Gerät spült die Niere während des Transports kontinuierlich mit einer speziellen Nährlösung durch. Je nach Verfahren wird das Organ auch mit Sauerstoff versorgt. „Maschinelle Perfusion stellt einen bedeutenden wissenschaftlichen und klinischen Fortschritt in der Organerhaltung dar", sagt Prof. Dr. Hans-Michael Tautenhahn, stellvertretender Bereichsleiter Hepatobiliäre Chirurgie und viszerale Transplantation am UKL. Das Verfahren ermögliche einen deutlich schonenderen Transport und eine Verringerung der Schäden am Transplantat.

Die Methode hat mehrere Vorteile. Ärzte können die Organfunktion unmittelbar vor der Transplantation beurteilen. Das erhöht die Patientensicherheit. Studien zeigen außerdem, dass längere Transportzeiten möglich werden und mehr Organe genutzt werden können.

Mehr ältere Spender erfordern neue Wege

Die neue Richtlinie erlaubt den Einsatz der maschinellen Perfusion bei bestimmten Spenderorganen. Dazu gehören Nieren von Personen über 60 Jahren sowie von 50- bis 59-Jährigen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck. „Da der Spender unter die Spenderkriterien der neuen Richtlinie fiel, ergab sich für uns die Möglichkeit, bereits im Rahmen dieser Organspende die maschinelle Perfusion einzusetzen", erklärt Prof. Tautenhahn.

Dr. Jan Kowald, Ärztlicher Leiter der Transplantationskoordination am UKL, betont die Bedeutung: „Da weiterhin zu wenige Spenderorgane zur Verfügung stehen, müssen die Patientinnen und Patienten auf der Warteliste kritisch lange auf eine Transplantation warten." Gleichzeitig nehmen Alter und Vorerkrankungen der Spender zu. Die neue Technik könne helfen, vorhandene Organe besser zu nutzen.

Die beiden transplantierten Nieren entwickeln sich bei den Empfängern gut. In Leipzig erforschen Wissenschaftler zudem, ob sich Organe während der Perfusion therapeutisch verbessern lassen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation stellt die nötigen Geräte bereit.

METIS