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Schimpansen teilen in der Gruppe besser

Forschende in Leipzig zeigten: Schimpansen können nachhaltig handeln, wenn sie in größeren Gruppen leben und tolerant miteinander umgehen. © pixabay/Marcel Langthim
Forschende in Leipzig zeigten: Schimpansen können nachhaltig handeln, wenn sie in größeren Gruppen leben und tolerant miteinander umgehen. © pixabay/Marcel Langthim

Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zeigt, dass Schimpansen in Gruppen besser mit Ressourcen umgehen können. Toleranz und der Einfluss von Anführern spielen eine entscheidende Rolle in ihrer Zusammenarbeit.

Wer kennt das nicht: Die letzte Pralinenschachtel zu Weihnachten, das gemeinsame Buffet bei der Familienfeier. Wer zu gierig zugreift, ärgert die anderen. Wer zu lange wartet, geht leer aus. Solche Situationen gibt es nicht nur bei uns Menschen. Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben jetzt untersucht, wie Schimpansen mit gemeinsamen Ressourcen umgehen. Das überraschende Ergebnis: Die Menschenaffen können durchaus nachhaltig handeln.

Die Wissenschaftler stellten den Tieren eine knifflige Aufgabe. In einer Schüssel befand sich Joghurt, eine Lieblingsspeise der Schimpansen. Die Affen konnten die Leckerei mit Stöcken erreichen. Doch diese Stöcke hielten gleichzeitig einen Deckel offen. Zogen die Tiere alle Stöcke heraus, schloss sich der Deckel langsam und niemand kam mehr an den Joghurt. „Es gab einen klaren Konflikt zwischen individueller Nahrungsaufnahme und der Sicherung der Verfügbarkeit der Ressource für die Gruppe", erklärt Erstautorin Kirsten Sutherland.

Vier sind klüger als zwei

Die Forschenden testeten das Verhalten in unterschiedlich großen Gruppen. Dabei zeigte sich etwas Unerwartetes. Wenn nur zwei Schimpansen gemeinsam an der Aufgabe arbeiteten, scheiterten sie meist. Sie zogen alle Stöcke heraus und verloren den Zugang zum Joghurt. Ganz anders die Vierergruppen. Sie ließen durchschnittlich 83 Sekunden länger einen Stock in der Schüssel stecken. „Dieselben Schimpansen, die das Dilemma zu zweit nicht lösen konnten, zeigten in einer größeren Gruppe mehr Sensibilität", sagt Sutherland. Insgesamt nahmen 24 Gruppen an dem Experiment teil.

Toleranz schlägt Aggression

Besonders erfolgreich waren Gruppen, in denen die Tiere friedlich miteinander umgingen. Schimpansen, die sonst viel Zeit nah beieinander verbrachten und sich selten stritten, teilten auch beim Joghurt-Test besser. Noch einen wichtigen Faktor entdeckten die Leipziger Wissenschaftler: die Rolle des Anführers. Schimpansen leben in strengen Rangordnungen. Wenn der ranghöchste Affe keinen eigenen Stock hatte und sich zurückhielt, profitierte die ganze Gruppe davon. „Dies zeigt, dass Dominanz nicht unbedingt die Zusammenarbeit untergräbt", sagt der leitende Autor Daniel Haun. Nahm sich der Chef dagegen mehr als seinen Anteil, brach die Kooperation oft zusammen.

Die Studie hat auch Folgen für die Forschung selbst. Viele Wissenschaftler testen Menschenaffen bisher paarweise. Die neuen Erkenntnisse aus Leipzig zeigen: Das greift möglicherweise zu kurz. „Schimpansen sind an das Leben in der Gruppe angepasst", sagt Haun. Wer verstehen will, wie gut die Tiere zusammenarbeiten können, muss sie in größeren Gruppen beobachten. Für uns Menschen könnte die Botschaft lauten: Nachhaltig mit Ressourcen umzugehen gelingt besser, wenn wir tolerant miteinander umgehen und wenn die Mächtigen mit gutem Beispiel vorangehen.

METIS