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KZ-Überlebender Justin Sonder tot: Chemnitz trauert

Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder, aufgenommen am 10.02.2016. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild
Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder, aufgenommen am 10.02.2016. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild

Der Überlebende des NS-Konzentrationslagers Auschwitz, Justin Sonder, ist tot. Er sei am Dienstag im Alter von 95 Jahren gestorben, teilte die Stadt Chemnitz am Mittwoch mit. Zuvor hatte die «Freie Presse» darüber berichtet. «Mit Justin Sonder verlieren wir einen der letzten Überlebenden des Holocaust und wichtigen Zeitzeugen», erklärte Bürgermeister Miko Runkel.

Das Internationale Auschwitz-Komitee würdigte ihn als einen «Botschafter der Toleranz», der anderen Mut gemacht habe, sich für die Demokratie zu engagieren. «Justin Sonder wird uns als Zeitzeuge, als Bruder und als Freund gerade in diesen Tagen des wachsenden populistischen Hasses und rechtsextremer Attacken bitter fehlen», sagte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner.

Sonder, 1925 in Chemnitz geboren, war nach Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden, wo er mehrere Selektionen und Todesmärsche überstand. Im Juni 1945 kehrte er in seine Heimat zurück. In den vergangenen Jahrzehnten hatte er nach Angaben der Stadt Chemnitz, deren Ehrenbürger er seit 2017 ist, Tausenden Schülern von seinen Erlebnissen und den Gräueltaten der Nationalsozialisten berichtet.

2016 hatte Sonder auch als Zeuge im Prozess gegen den ehemaligen Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning in Detmold (Nordrhein-Westfalen) ausgesagt. Dort berichtete er von quälender Todesangst, der er sich wieder und wieder ausgesetzt sah, wenn jene Häftlinge aussortiert und in die Gaskammern geschickt wurden, die schwach und krank waren. Auch die Willkür der SS-Wachleute schilderte er: «Ich habe erlebt, wie Häftlinge erschossen wurden, weil sie aus der Reihe gelaufen sind.»

Inhalt: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bilder: Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder, aufgenommen am 10.02.2016. Foto: Bernd Thissen/dpa/Archivbild