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AG Fünfeichen: Gedenken zum Jubiläum

Das Mahnmal aus DDR-Zeiten in der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa/Archivbild
Das Mahnmal aus DDR-Zeiten in der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa/Archivbild

Die Überlebenden des stalinistischen NKWD-Lagers Fünfeichen haben etwas Besonderes geschaffen: eine Erinnerungskultur zum gemeinsamen Gedenken für Kriegs- und Nachkriegsopfer.

Mit einem Gedenkgottesdienst und einem Festkonzert begeht die Arbeitsgemeinschaft (AG) Fünfeichen an diesem Samstag in Neubrandenburg ihr 30-jähriges Jubiläum. «Wir sind dankbar dafür, dass hier Versöhnung über Gräber hinweg möglich wurde», sagte AG-Leiterin Rita Lüdtke der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Veranstaltung an der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen wird traditionell an alle Opfer von 1939 bis 1948 erinnert.

Fünfeichen war ab 1939 Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht mit Tausenden Gefangenen aus Russland und vielen Ländern Europas. Nach Kriegsende von 1945 bis 1948 richtete der Sowjet-Geheimdienst NKWD dort das «Speziallager Nr.9» ein. In beiden Fällen starben Tausende.

Die AG Fünfeichen hat derzeit 660 Mitglieder und gilt als eine der größten Initiativen von Überlebenden solcher NKWD-Lager im Osten Deutschlands. Überlebende mussten in der DDR über ihr Schicksal schweigen und fanden sich im April 1991 zur Gründung der AG Fünfeichen zusammen. «Damals waren etwa 250 überlebende Frauen und Männer bei uns», erinnerte sich Lüdtke. Jetzt gebe es nur noch 47 Mitglieder, die die schreckliche Zeit überlebt haben, fast alle sind über 90 Jahre alt. «So schlimm das damals war, aber die Leute sagen mir, sie sind froh, sich hier treffen und in einem würdigen Rahmen der Anderen gedenken können.»

Fast immer seien Angehörige dabei. Zu den Überlebenden gehöre auch eine Frau aus Jena, die im Lager damals geboren wurde und heute mehr als 70 Jahre alt ist. Der mit 102 Jahren älteste Überlebende, ein Berliner, sei inzwischen gestorben. An diesem Samstag wollen noch sieben Überlebende aus vier Bundesländern kommen. Auch die Direktorin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna Kaminsky, habe zugesagt.

Mithilfe der Stiftung entstanden mehrere Filme und mehrsprachige Dokumentationen über die Situation in Fünfeichen und das Schicksal der Menschen. In der gemeinsamen Mahn- und Gedenkstätte erinnern auch Namenstafeln an die Opfer. «Der schönste Moment war, als wir 2015 gelbe Chrysanthemen auf russische Gräber gelegt haben und der russische Botschafter Nelken auf die Gräber und Namenslisten der NKWD-Opfer legte», schilderte Lüdtke.

Fünfeichen war bis 1945 Gefangenenlager für rund 120.000 Soldaten aus elf Nationen. Dabei kamen rund 5600 Gefangene aus vielen Ländern Europas ums Leben, darunter rund 5200 Rotarmisten. Ab 1945 waren etwa 15.000 meist unschuldige Menschen im NKWD-Lager eingesperrt. Von ihnen kamen 4900 in Fünfeichen ums Leben. Viele Menschen wurden deportiert, auch nach Sibirien.

Infos über die AG Fünfeichen

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH