Mehr als drei Jahrzehnte nach der deutschen Vereinigung beendet der Bund den Verkauf seiner Agrarflächen in Ostdeutschland weitgehend. Der in Staatsbesitz verbliebene Boden soll zum allergrößten Teil nur noch verpachtet werden, und zwar vorrangig an ökologisch oder nachhaltig wirtschaftende Betriebe. Ein Gutteil soll dem Naturschutz gewidmet werden. Die Einigung verkündeten das Finanz- und das Agrarministerium nach monatelangem Streit am Donnerstag gemeinsam in Berlin.
Es geht um Flächen der BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH. Diese hatte nach der deutschen Vereinigung die Aufgabe, Forst- und Ackerland der DDR-Staatsbetriebe zu privatisieren. Seit 1992 wurden nach Angaben der BVVG 893.300 Hektar landwirtschaftliche Fläche verkauft sowie 598.000 Hektar Wald. Rund 91.000 Hektar sind jetzt noch in Bundesbesitz. Stoßrichtung des weitgehenden Verkaufsstopps ist auch, Spekulation mit Ackerland und den Anstieg der Bodenpreise zu bremsen.
Die privatisierten Flächen gingen an zu DDR-Zeiten enteignete Alteigentümer, an Bauern und Agrargesellschaften - aber auch an Investoren ohne Landwirtschaft. Bauern beklagten, dass sie bei den stark gestiegenen Preisen kaum noch mithalten könnten. Kritiker warfen der BVVG vor, dazu beigetragen zu haben. Denn sie habe den Auftrag, die Flächen möglichst gewinnbringend für den Bund zu vermarkten. 2021 erwirtschaftete die Gesellschaft nach eigenen Angaben einen Überschuss von 251 Millionen Euro.