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Sachsen will sich besser gegen Waldbrände wappnen

Ein Polizeihubschrauber bringt Wasser zum Löschen an einen Waldbrand. / Foto: Matthias Bein/dpa/Archivbild
Ein Polizeihubschrauber bringt Wasser zum Löschen an einen Waldbrand. / Foto: Matthias Bein/dpa/Archivbild

Sachsen hat in jüngerer Zeit zwei verheerende Naturkatastrophen erlebt: 2002 und 2013 sorgten Jahrhunderthochwasser für riesige Schäden. Angesichts des Klimawandels droht noch eine weitere Gefahr.

Sachsen sieht im Sommer häufig rot - zumindest wirkt das beim Blick auf die Karte mit den Waldbrandstufen so. Taucht dort die Farbe rot oder gar dunkelrot auf, ist die Gefahr besonders hoch. Mit seiner Topographie ist der Freistaat geradezu prädestiniert für Waldbrände - vor allem im Osten des Landes. Dort stehen Kiefern auf sandigen Böden. «Bei Trockenheit bekommen die Bäume Stress», erklärt Landesbranddirektor Dirk Schneider. Sie senden dann Stoffe aus, was wiederum ihre größten Feinde anlockt - Borkenkäfer. Während sich gesunde Bäume mit Harz dagegen wehren können, schwinden bei Wassermangel die Abwehrkräfte. Totholz bietet zusätzlichen Zündstoff. «Das ist gerade so, als würde man in den Wald noch zusätzlichen Brennstoff legen», sagt Schneider.

Der Landesbranddirektor erarbeitet mit Kollegen ein «Strategisches Waldbrandschutzkonzept» - so die offizielle Bezeichnung. Nötig sei ein «abgestimmtes Handeln von bodengestützten und luftgestützten Kräften», heißt es. Dabei seien die luftgestützten Einheiten nicht nur für Waldbrände da, sondern für jeden Großschadensfall. «Man hat ein Werkzeug, was man für viele Dinge nutzen kann», betont Schneider. Leider sei die Ausbildung speziell für Waldbrände in ganz Deutschland in den vergangenen 40 Jahren vernachlässigt worden. Die ganz großen Waldbrände liegen allerdings schon längere Zeit zurück. Die größten gab es im August 1975 in der Lüneburger Heide und Anfang der 1990er Jahre in Ostsachsen.

«Die Natur sitzt uns im Nacken», sagt Schneider mit Blick auf den Klimawandel und die Zunahme von Extremwetterlagen. Sachsen orientiere sich bei seinem Vorgehen an Bayern. Die Konzeption beinhalte aber mehr als nur die Gefahrenabwehr, also das Löschen der Brände: «Wir haben Erfahrungswerte aus der ganzen Welt zusammengetragen, aus Kanada, den USA, Portugal, Spanien und Österreich.» Waldbrände würden allgemein unterschätzt. Inzwischen gebe es diese Brände sogar im Winter. «Der Wald ist nicht nur ein Regulator für die Qualität der Luft.» Da gehe es auch um Trinkwasser, die Speicherung von Kohlendioxid und den Wald als Wirtschaftsfaktor und Erholungsort. 20 Prozent des weltweiten CO2-Eintrages entstünden durch Waldbrände.

Nicht zuletzt soll moderne Technik helfen. Sachsen plant deshalb die Anschaffung von drei Polizeihubschraubern der sogenannten Vier- Tonnen-Klasse. Die bisher eingesetzten Typen vergleicht Schneider mit einem Kleinwagen - flott und wendig. Mit einem kleinen Kofferraum könne man aber nicht viel transportieren. Man brauche gewissermaßen einen Minibus. Die Hubschrauber müssten Behälter mit Löschwasser transportieren können und außerdem mit einer Seilwinde ausgestattet sein, um etwa Menschen aus Hochwassergebieten bergen zu können.

Für Innenminister Armin Schuster (CDU) sind Waldbrände ein vordringliches Thema. Sachsen habe in den vergangenen Jahren viele gute Maßnahmen zur Unterstützung der Kommunen ergriffen, von 2018 bis 2022 rund 200 Millionen Euro in den kommunalen Brandschutz gesteckt, heißt aus dem Ministerium. Schuster will die Gelder verstetigen. Für besonders gefährdete Regionen wie die Landkreise Bautzen, Görlitz und Nordsachsen hält man einen landeseigenen Katastrophenschutz-Löschzug vor. Zur Erweiterung dieser Einheiten sollen bis Ende Sommer 2023 fünf Tanklöschfahrzeuge angeschafft werden.

Auch die Ausbildung in der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule soll noch stärker auf Waldbrände ausgerichtet werden. Der Freistaat bringe sich in länderübergreifenden Gremien ein, um bundesweit einheitliche Technik-, Taktik- und Ausbildungsstandards zu entwickeln, heißt es. Mit Sachsen-Anhalt und Thüringen soll ein eigenes Modul im Rahmen einer 'RescEU-Einheit' - den Katastrophenschutzeinheiten der EU - entstehen. Schuster will sich für eine bessere Kooperation mit Polen und Tschechien bei der Brandbekämpfung einsetzen.

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