Als ich am 22. August die lokale Beilage der Sächsischen Zeitung aufschlug, rieb ich mir verwundert die Augen. „OB‑Kandidat mit Unternehmerblick und Vergangenheit“ steht da in dicken Lettern. Gemeint ist René Jurisch, parteiloser Bauunternehmer, der für die AfD in Meißen den Rathausstuhl erobern will. Die Reporterin darf ihn durch Parkanlagen führen, in denen er sorgenvoll über ungepflegte Grünflächen sinniert, schimpft über Müll, verspricht Ordnung und Sauberkeit. Er gibt sich als freundlicher Kümmerer, der „fair behandelt werden will“ und sich die Stimmen junger Familien erarbeitet.
Dass er früher Mitglied der NPD war, wird als jugendlicher Fehltritt abgetan, den er aus „enttäuschter Liebe“ hinter sich gelassen habe. Die bunte Mischung im Triebischtal sei doch eigentlich eine Bereicherung, sagt er in die Notizblöcke, nur müssten die „Leute aus dem Ausland“ auch irgendwann mal selbst arbeiten und nicht „unserem Sozialstaat auf der Tasche liegen“. Ein Satz später mokiert er sich über das „Erosionspotenzial“ von Demokratieprojekten und macht das Integrationsprojekt Buntes Meißen für alles Mögliche verantwortlich. Der rechte Kandidat als jovialer Gärtner – man könnte fast glauben, hier werde ein grüner Ortsbürgermeister porträtiert, hätte er nicht die AfD im Rücken.