Der Bau neuer Wohnungen wird zunehmend riskant für die Wohnungsgenossenschaften in Sachsen, angesichts der Kostenentwicklung. Im vergangenen Jahr entstanden insgesamt 282 Wohnungen, erklärte Mirjam Philipp, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen. Vor zehn Jahren waren es noch über 500. In diesem Jahr wird nur mit 110 neuen Wohnungen gerechnet.
Fokus auf die Entwicklung des Wohnungsbestandes
Philipp hält es für wünschenswert, beim Neubau zwischen 300 und 500 Wohneinheiten pro Jahr zu erreichen, wie es früher der Fall war. Das stehe nicht im Widerspruch zum Leerstand, einem weiteren Problem der Genossenschaften, da es darum gehe, das Portfolio zu erweitern. Bei den aktuellen Baupreisen müssten je nach Standard Quadratmeterpreise von 15 bis 20 Euro aufgerufen werden. Die Baukosten lägen derzeit zwischen 3.500 und 5.000 Euro. Daher liege der Fokus auf der Bestandsentwicklung.
Über 30.000 Genossenschaftswohnungen stehen leer
In Bezug auf den Leerstand rechnen die Genossenschaften in diesem Jahr mit einer leichten Zunahme auf 8,5 Prozent (2025: 8,3 Prozent). Es gibt jedoch deutliche regionale Unterschiede. 2024 lag der Leerstand in den Großstädten Dresden und Leipzig bei unter drei Prozent, in Chemnitz bei sechs Prozent. Im Landkreis Zwickau betrug er 16,4 Prozent, im Erzgebirgskreis 14,6 Prozent und im Landkreis Meißen 14,1 Prozent. Jede achte Wohnungsgenossenschaft hat einen Leerstand von mindestens 20 Prozent. Derzeit stehen bei den Genossenschaften mehr als 30.000 Wohnungen leer.
„2025 war ein Jahr der Stabilisierung, aber kein Jahr des Wachstums“, zog Philipp ein Gesamtfazit. Für die Genossenschaften sei die Kostenstabilität am wichtigsten. Baukosten und Betriebskosten sind die „beiden großen B“ in Bezug auf Kostensteigerungen. Mieter müssten mit erhöhten Nachzahlungen bei den Betriebskosten rechnen. Weitere Kostentreiber seien der höhere Mindestlohn sowie gestiegene Bau- und Handwerkerkosten. Den Genossenschaften gehe es um wirtschaftliche Stabilität ohne soziale Härten.
Durchschnittsmiete bei Genossenschaften: 5,62 Euro kalt
Im Jahr 2025 lag die Durchschnittsmiete (kalt) einer Genossenschaftswohnung bei 5,62 Euro pro Quadratmeter (2024: 5,42 Euro). In diesem Jahr wird mit einer Steigerung von 2 bis 3,5 Prozent gerechnet. Mietschulden stellen weiterhin kein Problem dar. „Die Mieter sind sehr diszipliniert“, sagte Philipp. Im vergangenen Jahr betrugen die Mietschulden etwa neun Millionen Euro, was 0,6 Prozent der Umsatzerlöse entspricht. Die Genossenschaften bewirtschaften insgesamt rund 294.000 Wohnungen im Freistaat, was 21,4 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestandes entspricht.
Den vom Bund geplanten „Bauturbo“ betrachten die Genossenschaften als „zartes Pflänzlein“, das jetzt jedoch gepflegt werden müsse. Zudem setzt sich der Verband für ein „einfaches Bauen“ ohne überflüssige Vorschriften ein. Für den Bau brauche man einen Basisstandard als das „neue Normal“. Abgesenkte und bezahlbare Standards sollten der Maßstab sein, wobei Abweichungen nach oben weiterhin möglich bleiben. „Man braucht keine Trittschalldämmung auf dem Balkon“, sagte Philipp, und auch 15 Steckdosen in einem Raum seien nicht notwendig. Das Einsparpotential liege bei bis zu 600 Euro pro Quadratmeter.
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten