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Intendant: Semperoper ist wieder im Normalbetrieb angelangt

Blick in den leeren Saal der Dresdner Semperoper. / Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Blick in den leeren Saal der Dresdner Semperoper. / Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Mehr als zwei Jahre hat das Coronavirus auch den Opernbetrieb infiziert. Inzwischen hat sich die Lage vor und auf der Bühne nahezu normalisiert. Dennoch gibt es Nachwehen und Veränderungen.

Die Corona-Teststation für Personal ist weg, die Besucher sind wieder da: Die Sächsische Staatsoper Dresden befindet sich am Ende des dritten Pandemiejahres im Normalbetrieb und nähert sich den hohen Auslastungszahlen der Zeit vor Corona an. «Wir haben im Dezember eine Auslastung über alle Sparten hinweg von rund 85 Prozent. Das ist doch phänomenal», sagte Intendant Peter Theiler der Deutschen Presse-Agentur. Zu Beginn der Saison im September seien es noch knapp 75 Prozent gewesen, inzwischen komme etwa die Hälfte der Besucher wieder von außerhalb. In Spitzenzeiten war die Semperoper in den vergangenen Jahren auf 93 Prozent Auslastung gekommen.

Theiler zog ein differenziertes Fazit der Pandemie-Spielzeiten, in denen das renommierte Opernhaus längere Phasen keine oder nur wenige Zuschauer empfangen konnte. «Wir haben dadurch auch viel gelernt. Früher ließen sich alle Dinge gut planen und vorbereiten. Mit einem gewissen Gefühl der Selbstverständlichkeit ließ sich der Spielplan umsetzen. Die Pandemie hat diesem Sicherheitsgefühl einen Dämpfer aufgesetzt.» Man sei gar nicht mehr in einen Steuerungsmodus gekommen. «Das hat uns die Augen geöffnet, wachsam und vorsichtig zu sein. Auch im Umgang miteinander haben wir viel gelernt.»

Der Intendant verteidigte die Schutzmaßnahmen, die auf Verordnungen des Landes beruhten. «Wir haben uns an das Regelwerk gehalten, weil keiner wissen konnte, wie die Sache ausgeht. Wir hatten ja keine Ahnung von der Gefährlichkeit des Virus. Wir müssen nur an die vielen Todesfälle denken.» Im Nachhinein hätte man das eine oder andere vielleicht anders machen können. «Dass manches zu Spannungen und Unmut führte, war nicht zu vermeiden. Die Maßnahmen in der ersten Phase waren aber auch mit dem jetzigen Erkenntnisstand richtig. Wie hätte man anders entscheiden sollen in einer Situation, in der es weder Medikamente noch eine Impfung gab und viele Menschen starben.»

Theiler räumte ein, dass die Pandemie bis heute zu Nachwehen führt. Insgesamt habe der bezuschusste Kulturbetrieb in Deutschland die Krise gut überstanden. Bei privaten Betreibern sehe das sicherlich anders aus. «Auch bei uns kommt es bei Besetzungen und Planung - etwa der Verpflichtung von Regisseuren - bis heute zu Engpässen.» Alle Bühnen würden jetzt die in der Pandemie verschobenen Produktionen nachholen wollen. «Da gibt es ein bissel Kuddelmuddel, wer nun wann etwas macht.» Das wirke sich besonders auf ein Haus von der Größenordnung der Semperoper aus, das mit vielen Gästen arbeite, die auch in Mailand, Wien, Paris, London, München oder Berlin gastieren.

«In der Pandemie konnten wir das Repertoire wegen des ruhenden Spielbetriebs nicht richtig pflegen», nannte Theiler einen weiteren kritischen Punkt. Viele geplante Wiederaufnahmen seien daher liegengeblieben. «Das führt dazu, dass zum einen der Arbeitsaufwand für eine Wiederaufnahme wegen begrenzter Probenzeiten und dem Mangel an Probebühnen größer ist, zum anderem der geplante künstlerische Faden über zwei Spielzeiten nicht weitergesponnen werden konnte.»

«Manches hat sich verändert, auch im Verhalten der Besucher», betonte Theiler. «Aber die Menschen kommen wieder. Man geht gern wieder ins Theater, in die Oper, ins Ballett oder ins Konzert - eben zu einem Live-Erlebnis. Wer meinte, die Zukunft spiele sich nur noch vor dem Fernseher oder im Internet ab, wird nun eines Besseren belehrt.» Veränderungen gebe es aber beim Buchungsverhalten. Viele würden sich jetzt ganz kurzfristig für einen Opernbesuch entscheiden und kämen erst im letzten Moment zur Vorstellung: «Manchmal werden wir an der Abendkasse regelrecht überrannt.»

«Im Spielplan sind auch Stücke, die nicht so bekannt sind und sich schwieriger verkaufen lassen. Wir fühlen uns verpflichtet, unserem Publikum auch weniger leicht zugängliche oder seltener gespielte Werke nahezubringen», warb Theiler für ein breites künstlerisches Angebot. Die Semperoper habe in dieser Spielzeit 30 Werke im Repertoire und zehn Premieren. Als einen Höhepunkt des zu Ende gehenden Opernjahres in Dresden wertete Theiler die Inszenierung der Schostakowitsch-Oper «Die Nase» in der Regie von Peter Konwitschny. Das habe Dresden in besonderem Maße internationale Resonanz beschert.

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