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In Deutschlands größter Bibliothek stehen Veränderung an

Moderne Architektur im Inneren der Deutschen Nationalbibliothek. / Foto: Sebastian Willnow/dpa
Moderne Architektur im Inneren der Deutschen Nationalbibliothek. / Foto: Sebastian Willnow/dpa

Weder die Energiekrise, noch die Corona-Pandemie oder die Papierknappheit haben den Betrieb der Deutschen Nationalbibliothek in Gefahr gebracht. Nun kündigen sich am Leipziger Standort Veränderungen an.

Die Dimensionen, in denen der Direktor der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, Michael Fernau, denkt, sind schwer zu greifen: «Wir sammeln alles, alles, alles - im deutschsprachigen Raum und auch das, was über Deutschland im Ausland geschrieben wird», erzählt der 67-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Vier Gebäude, Regalreihe neben Regalreihe - darin Gedrucktes, Gepresstes, Digitales: In Leipzig lässt sich vom Comic über den Porno bis hin zur wissenschaftlichen Veröffentlichung alles finden, was in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht wurde.

Seit einigen Tagen stehen die Zeichen in Deutschlands größter Bibliothek jedoch auf Veränderung: Ein neuer Erweiterungsbau wurde jüngst von der Bundesregierung bewilligt, der Verwaltungsrat der Bibliothek wird in der kommenden Woche über die Nachfolge Fernaus entscheiden.

Bereits seit über 100 Jahren geht die von Kaufleuten gegründete Bibliothek ihrem umfangreichen Sammelauftrag nach. Es soll dokumentiert werden, was in und außerhalb Deutschlands geschieht. Aktuell würden am Leipziger Standort knapp 44 Millionen Medien verwaltet, erzählt Fernau. Rund ein Viertel davon seien elektronische Publikationen. «Pro Tag nehmen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Leipzig etwa 1900 neue Bücher in gedruckter Form entgegen.»

In Fernaus Heimatstadt Frankfurt am Main, wo die Bibliothek ihren zweiten Standort hat, landet stets ein zweites Exemplar aller Publikationen. «Zählt man auch die anderen Medienarten dazu, haben wir in Leipzig und Frankfurt einen Zugang von rund 9300 Werken pro Tag», sagt der gelernte Jurist. Der Anteil elektronischer Medien steige im Moment explosionsartig, über die Hälfte aller Medien werde mittlerweile digital angeliefert.

Trotzdem werde der insgesamt fünfte Bau der Leipziger Bibliothek dringend benötigt: «Unser Bestand wird natürlich auch digitalisiert, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen aber zum Beispiel auch die Originale», sagte der Hesse, seit 2008 ständiger Vertreter des Generaldirektors. Ein Teil der über 700 Mitarbeitenden beider Standorte arbeite daran, neue Wege zu finden, um fehlerfreier und genauer digitalisieren zu können.

Mit einem neuen Bau und einem neuen Direktor wird sich in den nächsten Jahren am Leipziger Standort manches ändern. «Ich freue mich darauf, bis zu meiner Pension im kommenden Jahr noch an Diskussionen zu neuen Strategien teilnehmen zu können», sagte Fernau. So seien, auch mit Blick auf die Energiekrise, unter anderem Sanierungen im größten der insgesamt acht Lesesäle geplant.

Durch die Corona-Pandemie sei die Deutsche Nationalbibliothek, die in Leipzig 1913 und in Frankfurt 1946 gegründet wurde, vergleichsweise gut gekommen, resümiert ihr Leipziger Direktor: «Wir hatten selten geschlossen, konnten große Teile unserer Arbeit ins Homeoffice verlegen.» Auch die Energiekrise sorge für wenig Trubel in der Bibliothek - die teilweise alten Gebäude würden entsprechend der Vorgaben für ein Archiv mit Energie versorgt, in Zukunft sollen Leuchtmittel getauscht und Beleuchtung reduziert werden, um noch ein wenig sparsamer mit der teuren Energie zu wirtschaften.

Dennoch - an einem fehle es auch in der Nationalbibliothek: Kartons. «Momentan ist es schwer, Archivkartonage zu bekommen», sagte Fernau. Verlegerinnen und Verleger treffe jedoch auch diese Krise deutlich stärker, als die Deutsche Nationalbibliothek. Im Großen und Ganzen läuft der Alltag in der Bibliothek der Superlative also weiter - trotz Krisen und Veränderung.

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