Sachsen war oft in den Schlagzeilen wegen Pegida und Leuten, die Flüchtlinge hassen. Die Dokumentation «Fortschritt im Tal der Ahnungslosen» zeichnet auf der Berlinale ein anderes Bild. Der 1989 geborene Regisseur Florian Kunert reist darin in seine sächsische Heimat: jenes «Tal der Ahnungslosen» im Südosten Deutschlands, das zu DDR-Zeiten durch schlechten Fernsehempfang viel weniger vom Westen mitbekam als der Rest des Landes. Schauplatz ist das Landmaschinen-Kombinat «Fortschritt» - oder was davon übrig ist.
Junge syrische Flüchtlinge, die heute in Sachsen leben, treffen in der Fabrikruine ehemalige Werksangestellte. Sie lernen von den Einheimischen Deutsch oder spielen DDR-Pioniere und Soldaten. Beide Seiten sind freundlich miteinander.
Kunerts Abschlussfilm an der Kunsthochschule für Medien Köln ist ein Experiment. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin läuft er in der alternativen Reihe Forum. Archivbilder, die die Freundschaft der DDR und Syrien zeigen, sind ein Kontrast zur Pegida-Demo in Dresden. Es ist keine klassische Doku, die ihre Protagonisten nur begleitet, eher eine Versuchsanordnung, es gibt Regieanweisungen.