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Prozess: Video zeigt Aktion Tage zuvor

Die Angeklagten sitzen bei der Fortsetzung des Prozess im Verhandlungssaal im Landgericht auf ihren Plätzen. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/Pool/dpa
Die Angeklagten sitzen bei der Fortsetzung des Prozess im Verhandlungssaal im Landgericht auf ihren Plätzen. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/Pool/dpa

Sechs Nächte vor dem Einbruch ins Dresdner Historische Grüne Gewölbe haben sich drei Personen unbehelligt fast eine halbe Stunde am späteren Einstiegsfenster zu dem Museum im Residenzschlosses aufgehalten. Sie kletterten am 19. November 2019 um 2:42 Uhr über eine Mauer vor dem Westflügel, mit großen Taschen, wie auf einem Video der Polizei zu sehen ist, das am Dienstag im Prozess um den Juwelendiebstahl am Dresdner Landgericht gezeigt wurde. Zu sehen sind darauf auch noch andere Personen, aber weder Sicherheitsdienst noch Polizei.

Zunächst nähern sich mehrere Personen zu Fuß vom Theaterplatz, sitzen minutenlang auf den Treppenstufen zur Schinkelwache und schauen über die Straße auf den Schloss-Westflügel. Weitere dunkel gekleidete Menschen kommen dazu, gehen wieder weg, bis schließlich drei Personen mit großen Taschen auf die Mauer am nordwestlichen Eckturm zugehen, die in die Umzäunung des Schlosses mündet. Erst sind noch ihre Schatten an der Fassade des Fensters zu sehen, dann verschluckt sie die Dunkelheit in der Ecke - bis auf zwischenzeitliche Lichtblitze. Erst um 3:09 steigen drei Personen nacheinander zurück über die Mauer - und gehen mit vier anderen davon. Genau zu erkennen sind sie nicht auf den Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras.

Wegen des spektakulären Coups vom 25. November 2019 sind sechs 23 bis 28 Jahre alte Männer wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Die Deutschen stammen aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie. Sie sollen aus dem Schatzkammermuseum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen gestohlen und zudem Sachschäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben.

Der Verhandlungstag begann mit der Zeugenbefragung einer Restauratorin des Museums zu dessen Bedeutung und dem Wert der historischen Juwelen. Die beiden geplünderten fürstlichen Garnituren seien einzigartig in der Welt, sagte die 55-Jährige. «Solche Ensembles in der Geschlossenheit gibt es nicht mehr.» Nach der auf Blatt 1258 der Akte erfassten Verlustliste blieben von prominenten Beutestücken wie den Epauletten nur Reste übrig.

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