Vor 14 Jahren ließ sich der gelernte Koch und Karatelehrer Peter Fitzek bei einer Zeremonie mit Krone und Zepter zum «obersten Souverän» des «Königreichs Deutschland» küren. Rund 600 Anhänger kamen zur «Staatsgründung» nach Wittenberg in Sachsen-Anhalt. 13 Jahre lang beobachteten die Behörden das bizarre Treiben Fitzeks und seiner Leute, dann war Schluss mit lustig. Im Mai 2025 verbot Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die bis dahin bundesweit größte Reichsbürger- und Selbstverwalter-Gruppierung. Nach eigenen Angaben hatte das Königreich Deutschland (KRD) im Mai 2025 rund 6.000 Anhänger. Die Sicherheitsbehörden gingen von etwa 1.000 aus. Seitdem sitzen Fitzek und drei Mitangeklagte in Untersuchungshaft. An diesem Freitag (6. November) kehrt der inzwischen 61-Jährige zurück in die Öffentlichkeit: Als Angeklagter und mutmaßlicher Rädelsführer einer Kriminellen Vereinigung muss sich Fitzek vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Der wegen Körperverletzung vorbestrafte Fitzek soll als «oberster Souverän» die Kontrolle in allen wesentlichen Bereichen gehabt und die ideologische Ausrichtung bestimmt haben. Weitere Tatvorwürfe: bandenmäßige Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Den Angeklagten drohen damit bis zu zehn Jahre Haft. Die Bundesanwaltschaft wirft Fitzek und den Mitangeklagten vor, die Bundesrepublik durch ein eigenes System ersetzen zu wollen. Dafür sollen sie «pseudostaatliche Strukturen» aufgebaut haben, darunter ein Bank- und Versicherungssystem mit Filialen in Dresden, Ulm, Menden und Wittenberg sowie ein «Meldeamt» mit fiktiven Ausweisen. Auf seinem «Identitätsausweis» trägt Fitzek einen besonderen Titel: «König von Deutschland». Den Anhängern war Steuer- und Abgabefreiheit versprochen worden. Zwischen 2020 und 2025 soll die Gruppe rund zehn Millionen Euro eingenommen haben, unter anderem durch unerlaubte Bank- und Versicherungsgeschäfte, Spenden und Seminare. Diese Umsätze seien nicht bei den Finanzbehörden erklärt und für Mitarbeiter auch keine Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge abgeführt worden, so die Bundesanwaltschaft. Mehr als zwei Millionen Euro Steuern seien so hinterzogen worden. Eine eigene Währung, die «E-Mark» oder «Neue Deutsche Mark», entsprach laut Bundesanwaltschaft 1,10 Euro. Bereits 2022 hatte der sächsische Verfassungsschutz vor Grundstückskäufen der Gruppe gewarnt, die über Strohmänner verschleiert worden seien. 2023 ließ die Bundesfinanzaufsicht (BaFin) eine «Gemeinwohlkasse» der Gruppe in Dresden durchsuchen. Als der Bundesinnenminister den Verein am 13. Mai 2025 verbot, durchsuchten mehr als 800 Einsatzkräfte Gebäude in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Die Razzia erstreckte sich laut Innenministerium auf insgesamt 15 Objekte. Sichergestellt wurden demnach «weitere Beweismittel für die verfassungsfeindlichen Ziele und Aktivitäten des Vereins». Unter anderem wurden drei Vereinsimmobilien, zahlreiche Fantasiedokumente, Vereinsunterlagen, Bargeld, Landmaschinen und Fahrzeuge beschlagnahmt. Die Online-Plattformen der Gruppierung wurden gesperrt. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sah sich die Gruppe als «Gegenstaat» unter monarchisch-absolutistischer Führung. Durch «Zustiftungen» von Grundstücken sollte das Staatsgebiet der Bundesrepublik verkleinert werden. Dazu soll das KRD Immobilien in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen erworben haben. Der Verfassungsschutz berichtete 2023 von ganz erheblichen Vermögenswerten, die der Verein angehäuft habe. Laut Bundesanwaltschaft strebte die Gruppe an, ihr vermeintliches Staatsgebiet auf die Grenzen des Deutschen Reiches von 1871 zu erweitern. Ziel sei es gewesen, «die gültige Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland außer Kraft zu setzen und durch ein eigenes System zu ersetzen». Die Behörde erhob im Juli 2026 Anklage. Die Angeklagten Benjamin M. und Martin S. hätten als Fitzeks Stellvertreter der obersten Leitungsebene des KRD angehört. Martin S. sei für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich gewesen. Seit 2018 soll der vierte Angeklagte, Mathias B., für die Finanzen und das «Meldeamt» zuständig gewesen sein. Da eine von der Vereinigung betriebene Filiale der «Gemeinwohlkasse» zwischenzeitlich im sauerländischen Menden ansässig war und damit ein Tatort in Nordrhein-Westfalen lag, konnte die Bundesanwaltschaft den Fall am Oberlandesgericht Düsseldorf anklagen. Fitzeks Verteidiger Ronald Mayer aus Freital kündigt eine ausführliche Einlassung seines Mandanten an. Darin werde dieser die Vorwürfe von sich weisen. Er sei überzeugt, dass ihm strafrechtlich nichts vorzuwerfen sei. 52 Verhandlungstage hat das Oberlandesgericht bis September 2027 für den Prozess gegen «Peter I., König von Deutschland» angesetzt. Der Vorsitzende Richter ist Jan van Lessen. Sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Sie lehnen demokratische und rechtsstaatliche Strukturen wie Parlament, Gesetze oder Gerichte ab. Der Szene gehörten im Jahr 2025 demnach etwa 26.000 Personen an. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenVorwurf Steuerhinterziehung
Verdächtige Grundstückskäufe
«Die Rechtsordnung außer Kraft setzen»
Die Mitangeklagten