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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Pandemie-Effekt: Schwächste jemals registrierte Grippewelle

Eine Frau liegt im Bett und putzt sich die Nase. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Symbolbild
Eine Frau liegt im Bett und putzt sich die Nase. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Symbolbild

Mit Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und Maskenpflicht stemmt sich Sachsen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Aktuell erneut mit Erfolg - es zahlt sich aber auch in anderer Hinsicht aus.

Mit nur 53 Erkrankungen und einem Todesfall war die Grippesaison 2020/2021 auch in Sachsen kaum spürbar. «Das hatten wir noch nie», sagt Fachgebietsleiterin Sophie-Susann Merbecks von der Landesuntersuchungsanstalt (LUA) in Chemnitz. Auch im nationalen Referenzlabor habe es keinen Positivnachweis unter den 139 Verdachtsproben gegeben, wo wegen entsprechender Symptome noch einmal nachgeschaut werde. «Es gibt schon Jahre mit wenig Influenzafällen, aber so wenig noch nie - auch in Deutschland und in ganz Europa.» Von 38 000 Proben waren zwischen Anfang Oktober 2020 und Ende April 2021 im europäischen Sentinel-Netzwerk nur 41 positiv.

Laut Merbecks gab es diesmal im Freistaat kaum Fälle über das jährlich bestehende Grundniveau hinaus. «Das Maximale, was wir gemeldet bekamen, waren sechs Fälle pro Woche am Jahresanfang, sonst zwischen null und vier.» Die wegen Corona verhängten Schutzmaßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln, Kita- und Schulschließungen oder Maskenpflicht hätten diese Entwicklung befördert.

Auch bei allen anderen durch Tröpfchen übertragenen Erregern wurde laut Merbecks ein «extremer Rückgang» verzeichnet: kein Masernfall 2020 und 2021 bisher, die Zahl der Keuchhustenfälle 2020 mit 133 deutlich unter Vorjahreswert (805) und 2021 bisher nur acht. «Wenn ein Erreger so dominiert, kann das grundsätzlich schon zu einer gewissen Verdrängung führen.» Zwar hätten sich Coronaviren trotzdem verbreitet, mit 3,4 Prozent sei die Fallsterblichkeit allerdings um ein Zehnfaches höher als bei Influenza.

Die Corona-Hygiene-Schutzregeln können auch künftig helfen, Influenza, Keuchhusten oder Masern in Schach zu halten, wie Merbecks erklärt. Dabei sollte besonders in der Grippesaison auf den Handschlag verzichtet werden. «Das ist eine unbedingte Lehre aus der Pandemie: man muss nicht Jedem die Hand geben.» Die Grippeschutzimpfung indes sei wichtiger denn je, vor allem im nächsten Winter. «Dass Corona die Influenza einmal verdrängt hat, heißt nichts, das kann das nächste Mal ganz anders sein.» Dann träfen Influenzaviren auf eine «immunnaivere» Bevölkerung, die sich länger nicht mit dem Erreger auseinander setzen musste. «Und auch bei Masern und Keuchhusten gibt es keinen Grund, nachzulassen.»

Letzter Wochenbericht Grippesaison 2020/2021

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH