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Leipzig: Mediziner ruft zu freiwilligem Lockdown auf

Christoph Josten spricht. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Christoph Josten spricht. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Der Leipziger Mediziner Christoph Josten hat die Bevölkerung in Sachsen zu einem freiwilligen Lockdown aufgerufen. «Es hilft weiterhin, die sozialen Kontakte auf das familiär Notwendige zu beschränken, Abstand zu halten, Maske zu tragen und - ganz wichtig - sich impfen zu lassen, durch Grundimmunisierung oder Boosterung», sagte er am Donnerstag im Interview der «Leipziger Volkszeitung». Josten, Medizinischer Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums, hatte schon Anfang November vor einer «Tsunami-Welle» an Infektionen gewarnt. Inzwischen liegt die täglich in Sachsen gemeldete Zahl an Neuinfektionen bei mehr als 6000.

Aufgrund der hohen Belastung hat das Uniklinikum Leipzig inzwischen seine Leistungen reduziert. Planbare Operationen werden verschoben, Ambulanz-Sprechstunden fallen aus. Josten zufolge reagieren die meisten Menschen verständnisvoll, aber ein bestimmter Anteil auch mit wenig Verständnis. Manche Reaktionen seien sehr heftig. «Das frustriert unsere Mitarbeiter. Uns tut das sehr leid, vor allem, weil manche Eingriffe zum wiederholten Male verschoben wurden.» Man müsse aber die personellen und logistischen Kapazitäten zusammenziehen, um Notfälle und Corona-Patienten zu versorgen.

Laut Josten sind auf seiner Intensivstation 75 Prozent ungeimpft, auf der Normalstation 65 Prozent geimpft. «Die allermeisten Geimpften, die sich mit einer Infektion auf der ITS befinden, haben eine schwere Begleit- oder ganz andere Grunderkrankung. Mit Blick auf die relativ hohe Quote Geimpfter auf der Normalstation ist festzuhalten: Die einen haben entweder ebenfalls andere erhebliche Erkrankungen. Und die anderen sind zwar positiv getestet, aber nicht an Covid erkrankt, und liegen nicht wegen Corona bei uns im Klinikum. Sie zählen aber für die Statistik.» Die Impfung bleibe der beste Schutz. «Wer doch erkrankt, hat einen deutlich milderen Verlauf. Und die Ansteckungsgefahr für andere wird erheblich reduziert.»

Nach einem Bericht der «Sächsischen Zeitung» vom Donnerstag sind 85 bis 90 Prozent der Corona-Patienten auf Intensivstationen sächsischer Krankenhäuser ungeimpft. Die jüngsten Erkrankten seien zwischen 30 und 40 Jahre alt, die ältesten über 80. «Grund sind schwere Formen von Lungenversagen, zusammen mit Störungen der Blutgerinnung sowie Leber- und Nierenversagen. 26 von 71 Kliniken geben zudem an, keine Intensivpatienten mehr aufnehmen zu können. Auf den Normalstationen sind etwa 70 Prozent der Patienten ungeimpft», hieß es.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH