Früher war die Bude voll, nun fehlt dem Publikum des Leipziger Kabaretts Sanftwut das Geld. Auch die Corona-Pandemie ist längst nicht in Vergessenheit geraten. Viele Vorstellungen seien deshalb nur halb besetzt - auch sonst seien die Zeiten auf der Kleinkunstbühne andere: «In all diesen Krisen musst du nur eine leise Andeutung machen, einen dezenten Hinweis geben, schon lacht das Publikum - und das deutlich aggressiver als davor», sagt Thomas Störel, der gemeinsam mit seiner Kollegin Uta Serwuschok seit Jahrzehnten als Moni und Manni auf der Bühne steht. Die, die kämen, seien mit vollem Herzen da. Trotz leerer Ränge und bedrückender Weltlage freue sich das Publikum über Unterhaltung und genieße das Lachen.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer seien deutlich besser informiert und auf ganz andere Weise involviert, sagt Störel: «Das Ventil ist krass, deswegen freuen sie sich auf Abende im Kabarett.» Es habe Vorstellungen gegeben, während derer der eine zu laut geklatscht und der andere zu laut gelacht habe: «Und da hat der eine den anderen dann auch mal laut angemacht, weil er seine Meinung nicht teilte», so der Lehrer und Kabarettist. Weil ihr Alltag durch politische Maßnahmen stark beeinflusst sei, habe jeder und jede eine Meinung zu aktuellen Themen, Problemen und Politikern.