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Europäische Doppelmoral

15.10.2019 von

Foto: Pixabay
Präsident Trump hat entschieden, die US - Truppen aus dem Rohjava, dem Siedlungsgebiet der syrischen Kurden, abzuziehen. Eigentlich müssten sich die Europäer ja freuen, wenn die Amerikaner nicht mehr Weltpolizist spielen wollen. Dass die Truppen weltweit nach Hause geholt werden, ist schon amerikanische Standardpolitik seit Präsident Obama. Trotzdem ist die Empörung in Europa groß. How dare you, Mr. Trump.

Es ist Europa, das sich nicht aufgestellt hat in den letzten Jahren. Die Amerikaner bezahlen 75% des NATO - Budgets. Die Europäer, insbesondere die Deutschen, könnten und sollten mehr für ihre eigene Sicherheit leisten. Und nichts anderes haben die Kurden in Nordsyrien im Kampf gegen den IS verteidigt: die Freiheit und die Sicherheit der Europäer. Dass nun ein NATO - Partner in das Land einfällt, die Türkei, und dort Territorien eines anderen souveränen Staates völlig unbehelligt besetzt hält, ist nur schwer erklärbar vor diesem Hintergrund. Wir sind den Kurden etwas schuldig. Und wir versagen. Tanzen stattdessen auf den Straßen herum und glauben an Globuli.

Die Amerikaner enttäuschen die Kurden nun auch, denn auf ihre Versprechungen hatten sie gesetzt. Nun werden sie sich mit der Regierung von Präsident Assad und den Russen einig werden müssen. Vorgespräche liefen schon im letzten Jahr - die Kurden waren immer gut beraten, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Nun wird man sich mit Damaskus einigen müssen.

Die Europäer bieten nur ein politisches Trauerspiel an. Das wissen die Kurden, insbesondere seit dem Flüchtlingsdeal von Frau Merkel ist die Lage klar. Jede Menge moralischer Appelle und Mitleidsbekundungen, aber keine handfesten und belastbaren Entscheidungen. Aber auch zahlreiche Investitionen insbesondere bayrischer Unternehmen sind in der Türkei im Feuer. Deshalb dreht Minister Seehofer Pirouetten, die keiner versteht, in der Flüchtlingsfrage.
Am Ende geht es nur ums Geld. Die Türken würden gerne selbst zum Öl - und Gasproduzenten aufsteigen. Unter dem östlichen Mittelmeer lagert genug. Die Kurden wolle ihr eigenes Öl und Gas ins Mittelmeer verschiffen, um Geld zu verdienen  - genau dieses Gebiet hält die Türkei besetzt, damit dort keine Pipeline gebaut werden kann. Unter Präsident Erdogan ist die Wirtschaft der Türkei in den letzten Jahren erheblich abgerutscht. Er braucht dringend Geld für seine Bevölkerung.

Wer sich alles nach Idlib geflüchtet hat, ist unklar. Dass sehr viele IS - Anhänger darunter sind, ist klar. Wer schützt hier eigentlich wen vor wem? Leidtragende sind die einfachen Leute, wie immer. Nordsyrien kommt einfach nicht zur Ruhe. Es kann dort kein Wohlstand aufgebaut werden.

In den USA rätseln inzwischen Analysten wie Jonathan Katz herum, was Präsident Erdogan und President Trump am Telefon besprochen haben und wieso der Truppenabzug aus Syrien so schnell und überraschend erfolgt. Katz vermutet, dass Erdogan nichts Neues zu sagen hatte. Die Entscheidung muss alles im Mr. President selbst gereift sein. Vielleicht gibt es gar keinen logischen Grund. Vielleicht will Mr. Trump nur mal den Europäern zeigen, wie die Lage wirklich ist, wenn sich die USA zurück ziehen und die Europäer unabhängig und frei sein wollen. Freiheit hat immer einen Preis. Ob die Europäer bereit sind, ihn zu zahlen, ist die offene Frage.

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